K. 360

6 Variationen in g-Moll über „Au bord d’une fontaine“ (K. 360)

ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts 6 Variationen in g-Moll (K. 360), im Juni 1781 in Wien vollendet, nehmen eine schlichte französische Melodie—lange fälschlich als „Hélas, j’ai perdu mon amant“ zitiert, jedoch korrekt „Au bord d’une fontaine“ betitelt und mit Antoine Albanèse verbunden—und verwandeln sie in eine kompakte Studie dramatischer Kontraste. Für Tasteninstrument mit obligater Violine geschrieben, verdichtet der Zyklus Mozarts neu gewonnenes Wiener Selbstbewusstsein zu einer Form, die intim, geistreich und für ein so leichtgewichtig-texturiertes Genre überraschend dunkel getönt ist.123

Hintergrund und Kontext

1781 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) 25 Jahre alt und frisch in Wien etabliert—jener Stadt, in der er erstmals versuchte, ohne feste Anstellung bei einem Hof zu bestehen. In diesem Umfeld waren Kammerwerke für das häusliche Musizieren gleichermaßen praktisch wie verkäuflich, und Mozarts Schreiben für Violine und Tasteninstrument entwickelte sich rasch vom älteren Modell der „Klaviersonate mit Begleitung“ hin zu einem echten Duo, in dem die Violine mit wirklicher Eigenständigkeit sprechen kann.

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Die 6 Variationen in g-Moll (K. 360) gehören in diesen Wiener Moment. Es ist keine groß angelegte Sonate, sondern ein knappes Thema-mit-Variationen-Set: eine Werkart, die unter versierten Amateuren zirkulieren konnte und dennoch Profis reichlich Raum für Nuancen von Klang, Artikulation und Dialog bot. Seine besondere Qualität liegt im Affekt: g-Moll gehört zu Mozarts psychologisch aufgeladensten Tonarten, und er trägt diese Ausdruckswelt in ein Genre hinein, das oft mit anmutiger Virtuosität verbunden wird.13

Entstehung und Widmung

K. 360 ist auf Juni 1781 in Wien datiert.13 Es ist für Tasteninstrument und obligate Violine gesetzt (d. h. eine Violinstimme, die mehr ist als bloße Verstärkung); in der modernen Aufführungspraxis erklingt es typischerweise mit Fortepiano oder Klavier und Violine.24

Das Thema stammt aus einem französischen Lied, das lange Zeit unter dem Titel „Hélas, j’ai perdu mon amant“ geführt wurde, doch die Melodie, die Mozart tatsächlich variiert, wird heute allgemein als „Au bord d’une fontaine“ identifiziert. Die Weise wird in der modernen Nachschlagewerk-Tradition Antoine Albanèse (1729–1800) zugeschrieben, einem in Italien geborenen Sänger und Komponisten, der in Frankreich wirkte.1 Eine konkrete Widmung wird in den gängigen Referenzen nicht konsistent genannt; am plausibelsten ist, den Zyklus als Teil von Mozarts praktischem Wiener Schaffen für Unterricht, Aufführung und publikationsnahes Repertoire im Jahr 1781 zu verstehen.

Form und musikalischer Charakter

Das Werk besteht aus einem Thema und sechs Variationen, sämtlich in g-Moll verankert.1 Selbst in diesem kleinen Format denkt Mozart theatralisch: Er behandelt die Melodie fast wie eine opernhafte Äußerung—stellt sie zunächst schlicht vor und „kostümiert“ sie dann durch Veränderungen der Figuration, der Textur und der instrumentalen „Rollen“ immer neu.

Ein prägendes Merkmal ist die Konversation zwischen den Instrumenten. Statt die Violine nur verdoppeln oder verzieren zu lassen, gibt Mozart ihr häufig Gelegenheit zu antworten, zu imitieren oder kurzzeitig in den Vordergrund zu treten, sodass die Variationen wie wechselnde Perspektiven auf denselben Gedanken wirken und nicht bloß wie Klavierornamente.24

Auffällig ist auch, wie Mozart mit Variationstechnik die emotionale Temperatur steuert. In g-Moll kann ornamentaler Glanz eher gespannt als funkelnd wirken; chromatische Einfärbungen und die Rhetorik der Molltonart (seufzende Appoggiaturen, zugespitzte Vorhalte) legen Klage nahe—selbst wenn die Oberfläche leicht erscheint. Das Ergebnis ist ein Miniaturdrama: im Maßstab intim, im Ton ernst.

Rezeption und Nachwirkung

K. 360 ist in Katalogen und Aufführungstradition als eines von Mozarts bemerkenswerten Variationenwerken für Violine und Tasteninstrument präsent geblieben und liegt in modernen Ausgaben vor sowie für Interpretinnen und Interpreten leicht zugänglich.34 Dennoch steht es etwas abseits der großen „Gassenhauer“-Route—überschattet von den reifen Wiener Violinsonaten und von den bekannteren Klaviervariationen.

Gerade diese relative Unbekanntheit ist ein Grund, warum das Stück Aufmerksamkeit verdient. Auf wenigen Seiten zeigt es, wie viel Ausdrucksgewicht Mozart einem einfachen Lied aufbürden kann und wie souverän er das private Vergnügen der Kammermusik mit dem schärfer konturierten Profil seiner Molltonart-Fantasie ausbalanciert. Im Kontext der Violinsonaten, die Mozart um dieselbe Zeit komponierte, bietet K. 360 einen konzentrierten Blick auf seinen sich wandelnden Duo-Stil: Die Violine ist nicht mehr Accessoire, sondern Partnerin in Rhetorik, Farbe und Charakter.14

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[1] Wikipedia — overview, dating (June 1781), scoring, and the corrected title “Au bord d’une fontaine” vs. the long-used “Hélas, j’ai perdu mon amant”; attribution to Antoine Albanèse.

[2] Navona Records catalogue note — performance/practical context and comments on instrumental dialogue within the set.

[3] IMSLP work page — instrumentation and catalogue identification (K. 360/374b), key (G minor), and title as variations on “Au bord d’une fontaine.”

[4] Mozart 225 (Mozarteum Foundation project) PDF — catalogue listing placing K. 360 among Mozart’s chamber works of 1781–1782.