K. 351

„Komm, liebe Zither, komm“ (K. 351) in C-Dur

av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts Lied „Komm, liebe Zither, komm“ (K. 351) ist ein kompaktes, serenadenhaftes deutsches Lied, das mit MĂŒnchen im Winter 1780/81 verbunden ist, als der Komponist 24 Jahre alt war. FĂŒr Solostimme mit einem Zupfinstrument (meist Mandoline) gesetzt, eröffnet es einen seltenen Einblick in Mozart als Schöpfer intimer Hausmusik—fern der öffentlichen OpernbĂŒhne—und doch mit unverkennbarem theatralischem Instinkt.

Hintergrund und Kontext

Mozarts MĂŒnchner Aufenthalt 1780/81 wird meist mit dem Auftrag und der UrauffĂŒhrung von Idomeneo (erste AuffĂŒhrung am 29. Januar 1781) in Verbindung gebracht—einer Zeit, in der seine vokale Fantasie im großen Maßstab gefordert war. Vor diesem Hintergrund wirkt „Komm, liebe Zither, komm“ bescheiden: ein kurzes, strophisch angelegtes Lied fĂŒr privates Musizieren, nicht fĂŒr das Theater. Doch gerade diese Kleinform macht einen Teil seines Reizes aus. In Mozarts ƒuvre ist das deutsche Lied ein vergleichsweise gelegentlich gepflegtes Genre—entstanden fĂŒr Freunde, gesellige Abende oder bestimmte AusfĂŒhrende—und so hilft jedes ĂŒberlieferte StĂŒck, das „alltĂ€gliche“ Musikleben des Komponisten jenseits von HofauftrĂ€gen und OpernhĂ€usern zu konturieren.

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Kataloge verorten das StĂŒck ĂŒbereinstimmend in MĂŒnchen und datieren es auf die Wintermonate von Ende 1780 bis Anfang 1781.[1] Auch die Besetzung ist innerhalb von Mozarts Liedern auffĂ€llig: Statt der ĂŒblichen Tastenbegleitung trĂ€gt hier ein Zupfinstrument (hĂ€ufig als Mandoline bezeichnet) den Satz, was unmittelbar an die Klangwelt abendlicher Serenaden und des Liebhabermusizierens erinnert.[2] Diese Klangwahl—hell, perkussiv und zart-intim—erklĂ€rt mit, warum Interpretinnen, Interpreten und Arrangeure sich bis heute von dem Werk angezogen fĂŒhlen, auch wenn es nie zu den „berĂŒhmten“ Mozart-Liedern gehörte.

Text und Komposition

Der Text ist als schlichte Anrede an das Instrument ĂŒberliefert: „Komm, liebe Zither, komm“—ein vertrautes poetisches Motiv des 18. Jahrhunderts, in dem das Musizieren als Vertrauter in Liebesdingen personifiziert wird. Der Autor lĂ€sst sich in gĂ€ngigen Quellen nicht eindeutig bestimmen; moderne Referenzlisten behandeln das Gedicht oft faktisch als anonym.[3] Diese Unsicherheit ist typisch fĂŒr kleinere, im gesellschaftlichen Austausch weitergegebene Lieder, bei denen Texte ohne stabile Zuschreibung zirkulieren konnten.

Auch ĂŒber die Überlieferung gab es in Editionen und Katalogtraditionen gelegentlich Anlass zur Vorsicht: Das Werk wird weithin als K. 351 gefĂŒhrt, erscheint aber auch unter der alternativen Katalogbezeichnung K. 367b.[2] FĂŒr das praktische Hören und AuffĂŒhren ist jedoch entscheidend, dass das Lied glaubwĂŒrdig in Mozarts MĂŒnchner Umfeld passt: leicht, in der Ansprache unmittelbar und auf eine spezifische klangliche Begleitung hin zugeschnitten, nicht auf konzertante Wirkung.

Musikalischer Charakter

FĂŒr ein so kurzes Lied (hĂ€ufig in etwa zwei Minuten aufgefĂŒhrt) setzt „Komm, liebe Zither, komm“ seinen Akzent mit ungewöhnlich prĂ€ziser Klangvorstellung.[2] In C-Dur bevorzugt Mozart Klarheit und Helligkeit: Die Gesangslinie liegt angenehm in der Stimme, in ausgewogenen Phrasen geformt, die an natĂŒrliches Sprechen erinnern, wĂ€hrend der gezupfte Ansatz der Begleitung einen rhythmischen Glanz beisteuert, den ein tragendes Tasteninstrument so nicht ganz nachbilden kann.

Beachtenswert ist das Lied heute gerade wegen dieser Schnittstelle von HĂ€uslichkeit und Drama. Die Einladung der SĂ€ngerin oder des SĂ€ngers an das Instrument ist im Kleinen eine Operngeste: eine Apostrophe (direkte Anrede), die einen Gegenstand zur Figur macht. Mozart behandelt diesen Einfall mit eleganter Ökonomie—keine ausgreifende DurchfĂŒhrung, keine virtuose Bravour—nur so viel harmonische FĂ€rbung und Phrasierung, dass man hinter den Worten eine Szene zu spĂŒren meint. Im Kontext des MĂŒnchner Mozart—hier das monumentale Idomeneo, dort einige intime Lieder—erinnert „Komm, liebe Zither, komm“ daran, wie mĂŒhelos Mozart sein vom Theater geschultes Empfinden auf Salonformat verkleinern konnte.

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[1] Wikipedia (reference table for K. 351/367b: dating window and Munich location in the Köchel catalogue overview).

[2] IMSLP work page for “Komm, liebe Zither, komm”, K. 351/367b (general information: key, year, instrumentation, and catalogue designation).

[3] IPA Source poem sheet: “Komm, liebe Zither” (lists the text as anonymous; basic text/setting attribution to Mozart).