Klaviersonate Nr. 6 in D-Dur, „Dürnitz“ (K. 284)
ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Mozarts Klaviersonate Nr. 6 in D-Dur (K. 284), 1775 in München komponiert, als er 19 war, bildet den Abschluss eines bemerkenswerten Zyklus früher Klaviersonaten, die seine Familie Berichten zufolge die „schwierigen“ Sonaten nannte. Ihren Beinamen „Dürnitz“-Sonate erhielt sie nach Baron Thaddäus von Dürnitz; hervor sticht sie vor allem durch ihr ungewöhnlich weit ausgreifendes Finale: ein Andante-Thema mit 12 Variationen – ein fantasievoller Umfang, der in Mozarts Sonaten selten ist.
Hintergrund und Kontext
Im Winter 1774/75 hielt sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in München auf – dorthin zog es ihn aus praktischen Ambitionen ebenso wie aus künstlerischen: Die Stadt bot Kontakte, Aufführungsmöglichkeiten und – am dringendsten – Arbeit im Zusammenhang mit der Produktion seiner Oper La finta giardiniera (Uraufführung in München im Januar 1775) [3]. Neben seinen Opernverpflichtungen bediente Mozart den florierenden Markt für Tastenmusik – Musik für das Musizieren im Haus und für versierte Amateure, die spielen wollten, was neu, modisch und (im Idealfall) ihren Fähigkeiten angemessen war.
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K. 284 gehört zu einer Gruppe von sechs Sonaten (K. 279–284), die um diese Zeit entstanden – ein Zyklus, den die Familie Mozart als die „schwierigen Sonaten“ bezeichnete [1]. Der Beiname „Dürnitz“ verweist auf Thaddäus, Baron von Dürnitz – einen Amateurmusiker und bayerischen Offizier mit Bezug zu München; der Überlieferung nach steht er mit dem Auftrag in Verbindung (und in manchen Darstellungen auch mit einer verspäteten Bezahlung) [4]. Wie auch immer die genaue finanzielle Geschichte aussieht: Die Verbindung zu einem hochrangigen Amateur ist musikalisch plausibel. Die Sonate ist voll brillanter, „sportlicher“ Handarbeit, zugleich aber idiomatisch für das Tasteninstrument gesetzt.
Entstehung
Die Klaviersonate Nr. 6 in D-Dur (K. 284) lässt sich zuverlässig auf München 1775 datieren [4]. In der modernen Katalogisierung ist sie für clavier verzeichnet – ein flexibler Begriff des 18. Jahrhunderts, der Cembalo wie auch das zunehmend bedeutende Fortepiano umfassen kann [1]. Diese Uneindeutigkeit ist nicht belanglos: Die Anlage verlangt nach klarer Artikulation und rasantem Passagenwerk (cembalogerecht), lebt aber ebenso von dynamischer Abstufung und farblichen Kontrasten, wie sie das Fortepiano bieten konnte.
Als Abschluss der K.-279–284-Gruppe wirkt K. 284 wie eine Kulmination: weiter im Atem, theatralischer in der Geste und im Finale experimentierfreudiger als die früheren Sonaten des Sets. Es ist ein frühes Zeichen dafür, dass Mozarts Tastenmusik – heute oft als „Schüler“-Repertoire behandelt – bereits in großen Formen und in quasi-orchestralen Texturen zu denken vermochte.
Form und musikalischer Charakter
Mozart gestaltet die Sonate in drei Sätzen, doch die Proportionen sind auffallend unkonventionell: Das Finale ist kein schnelles Presto-Finale, sondern ein umfangreicher Variationszyklus.
- I. Allegro (D-Dur) [4]
- II. Rondeau en polonaise (A-Dur) [4]
- III. Tema. Andante mit 12 Variationen (D-Dur) [4]
I. Allegro
Der Beginn entfaltet ein selbstbewusstes, nach außen gerichtetes D-Dur – Musik, die in Klavierbegriffen „orchestral“ denken kann: kräftige Unisoni, geschäftige Figuration und ein inszenierter Kontrast der Register. Besonders typisch ist Mozarts Gabe, schlichte Tastenstrukturen in Dialoge zu verwandeln – Bass gegen Diskant, akkordische Bekräftigungen gegen quecksilbrige Läufe –, sodass der Satz eher wie ein Drama wirkt als wie eine reine Vorführ-Etüde. Auch gönnt sich die Schreibweise sichtbar-theatralische Klaviereffekte (einschließlich Handkreuzungen), eine Art virtuoser Rhetorik, die einen geübten Amateur begeistert haben dürfte [3].
II. Rondeau en polonaise
Der zweite Satz ist eines der besonderen Kennzeichen der Sonate: Mozart überschreibt ihn als Rondeau en polonaise und ruft damit die Polonaise auf – einen stilisierten polnischen Tanz, den das Publikum des 18. Jahrhunderts als höfisch und leicht exotisch erkannte [4]. In A-Dur (der Dominante) verbindet der Satz elegante Verzierungen mit rhythmischem Biss und hält sangliche Linien und dekorative Wendungen in Balance. Zugleich blitzt hier Mozart der Dramatiker auf: kleine dynamische Überraschungen und rhetorische Zäsuren verleihen der Musik eine konversationelle Haltung, als tauschten Figuren in einem Salon raffinierte Gesten aus.
III. Thema und 12 Variationen
Das Finale ist die kühnste Entscheidung des Werks: ein Andante-Thema mit 12 Variationen [4]. Damit ersetzt Mozart das erwartete schnelle Finale durch eine großformatige Form, die viele Affekte aufnehmen kann – Brillanz, Zartheit, Witz und kontrapunktische Kunst –, ohne die Einheit zu verlieren.
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Besonders beachtenswert ist, dass Variation hier nicht als bloße Verzierung fungiert, sondern als Erzählform. Mozart steigert im Verlauf der Reihe Harmonik und Satzdichte, erprobt chromatische Einfärbungen, klavieristische „Orchestrierung“ und kontrastierende Charaktere. Gegen Ende kann die Musik überraschend nach innen kippen – eine Ausdruckstiefe, die Mozarts spätere Fähigkeit vorwegnimmt, selbst ein dekoratives Genre psychologisch aufzuladen [3]. Die abschließende Wendung zu einem leichteren Ausklang hebt diese Tiefe nicht auf; sie rahmt sie – so, wie eine Oper nach einem Moment des Geständnisses wieder zur gesellschaftlichen Oberfläche zurückkehren kann.
Rezeption und Nachwirkung
K. 284 hat nie die allgegenwärtige kulturelle Präsenz von Mozarts späten Wiener Sonaten erreicht; dennoch ist sie für Pianistinnen und Pianisten ein Kernstück geblieben, weil sie zwischen Welten vermittelt: Sie ist zugleich eine anspruchsvolle „Münchner“ Sonate für einen versierten Amateur und eine wirklich ambitionierte Komposition, die das Genre von innen heraus erweitert. Das Köchel-Verzeichnis der Mozarteum-Stiftung hebt die Gruppe K. 279–284 als die „schwierigen Sonaten“ der Familie hervor und erkennt damit implizit ihre erhöhten technischen und musikalischen Anforderungen an [1].
In der heutigen Aufführungspraxis lohnt sich bei der „Dürnitz“-Sonate ein Ansatz, der ihre clavier-Herkunft mitdenkt: klare Artikulation, sorgfältige Stimmführung und die Bereitschaft, Texturen als theatralische Signale zu behandeln statt als neutrale Figuration. In diesem Licht gehört K. 284 nicht nur zu den frühen Sonaten mit berühmtem Beinamen: Sie ist das selbstbewusste Plädoyer eines jungen Mozart dafür, dass die Klaviersonate opernhafte Charakterzeichnung, großräumige Architektur und echte Erfindung tragen kann – schon 1775.
楽譜
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel catalogue entry for K. 284 (work details; note on the “difficult sonatas” K. 279–284).
[2] IMSLP work page for Piano Sonata No. 6 in D major, K. 284/205b (basic cataloging and editions).
[3] Program-note PDF (cloudfront-hosted) discussing K. 284 in the context of Munich 1775 and *La finta giardiniera*, and describing musical features of the movements and variations.
[4] Wikipedia: Piano Sonata No. 6 (Mozart) (date/place, nickname, movement list).








