Divertimento Nr. 11 in D-Dur, K. 251 (âNannerl-Sextettâ?)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento Nr. 11 in D-Dur, K. 251 (1776) ist ein Salzburger Werk fĂŒr Oboe, Hörner und Streicher, das das höfische âFreiluftâ-Divertimento in etwas Pointierteres, Charaktervolleres verwandelt. Entstanden im Alter von 20 Jahren, verbindet es sinfonischen Anspruch mit der geselligen Leichtigkeit einer Serenade â besonders in seinem erfinderischen Paar von Menuetten und in seinem unerwartet ausdrucksstarken langsamen Satz.
Hintergrund und Kontext
In Salzburg war Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) Mitte der 1770er Jahre am Hof des FĂŒrsterzbischofs Hieronymus Colloredo angestellt und schrieb Musik, die sowohl reprĂ€sentativen als auch unterhaltenden Zwecken dienen konnte. In diesem Milieu waren Divertimento und Serenade weniger âNebenformenâ als vielmehr flexible gesellschaftliche Instrumente: Musik fĂŒr Namenstagsfeiern, Dinners und abendliche Festlichkeiten, oft ausgefĂŒhrt von gemischten BlĂ€ser-und-Streicher-Besetzungen, wie sie die lokalen Möglichkeiten hergaben.[1]
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K. 251 steht in dieser Salzburger Tradition, verdient aber gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil es mehr ist als bloĂ angenehme Begleitmusik. Mozart komponiert mit Sinn fĂŒr Kontraste â BlĂ€serglanz gegen StreicherwĂ€rme, rustikale Tanzgesten gegen ĂŒberraschend âgelehrteâ Form â und behandelt ein kleines Ensemble, als wĂ€re es zu wirklich öffentlicher, sinfonischer Rhetorik fĂ€hig. So entsteht ein Werk, das als leichte Musik bezaubern kann und zugleich konzentriertes Hören belohnt.
Entstehung und UrauffĂŒhrung
Das Divertimento in D-Dur, K. 251 entstand im Juli 1776 in Salzburg.[1] Der genaue Anlass ist in modernen Ăberblicksdarstellungen nicht endgĂŒltig geklĂ€rt, doch seit Langem wird das StĂŒck mit Feierlichkeiten zu Ehren von Mozarts Schwester Maria Anna (âNannerlâ) in Verbindung gebracht â entweder mit ihrem Namenstag (26. Juli) oder ihrem Geburtstag (30. Juli). Diese Zuschreibung hat den bis heute gebrĂ€uchlichen Beinamen âNannerl Septetâ befördert.[1]
Wie bei vielen Salzburger Divertimenti ist eine konkrete ErstauffĂŒhrung in den öffentlich zugĂ€nglichen Quellen nicht sicher dokumentiert. Klar ist anhand der Besetzung, dass Mozart hervorragende BlĂ€ser (vor allem fĂŒr das Horn) und ein zuverlĂ€ssiges Streicherfundament zur VerfĂŒgung standen â Bedingungen, die ihn zu einem StĂŒck ermutigten, dessen gesellige OberflĂ€che von echter kompositorischer Substanz getragen ist.
Besetzung
Mozart schreibt K. 251 fĂŒr ein kompaktes, klangfarbenreiches Septett:[1][2])
- HolzblÀser: Oboe
- BlechblÀser: 2 Hörner
- Streicher: 2 Violinen, Viola, Kontrabass
Zwei Details sind entscheidend dafĂŒr, wie das StĂŒck âsprichtâ. Erstens ist die Oboe keineswegs nur dekorativ; sie trĂ€gt hĂ€ufig melodische und verzierende Aufgaben und tritt als eine Art Quasi-Solistin hervor. Zweitens verleiht der Kontrabass (statt einer Cellostimme als eigentlicher Basslinie) dem Ensemble ein federndes Fundament und schĂ€rft den serenadenhaften Charakter â besonders in Passagen, in denen der Bass Tanzrhythmen mit prĂ€gnanter, leicht perkussiver Kontur artikuliert.[1]
Form und musikalischer Charakter
K. 251 umfasst sechs SĂ€tze â ein Umfang, der fĂŒr das Salzburger Divertimento typisch ist und Mozart dennoch Raum fĂŒr innere Dramaturgie und Ăberraschungen lĂ€sst:[1]
- I. Molto allegro (D-Dur)
- II. Menuetto (D-Dur)
- III. Andantino (A-Dur)
- IV. Menuetto (Tema con variazioni) (D-Dur)
- V. Rondo (Allegro assai) (D-Dur)
- VI. Marcia alla francese (D-Dur)
I. Molto allegro
Gleich zu Beginn wird deutlich: Dies ist keine bloĂe Hintergrundmusik. Mozart nutzt eine monothematische Sonatenhauptsatz-Strategie: Statt in der Dominante (A-Dur) ein klar abgesetztes zweites Thema zu prĂ€sentieren, formt er den Hauptgedanken so um, dass er auffĂ€llig A-Moll streift â ein expressiver Schatten, der die sonnige D-Dur-Fassade kurzzeitig verdunkelt.[1] Die Wirkung ist subtil, aber bezeichnend: Selbst im Unterhaltungsgestus kann Mozart nicht widerstehen, dem Hörer eine dramatischere harmonische ErzĂ€hlung mitzugeben.
II. Menuetto
Das erste Menuetto strahlt öffentliche, âdrauĂenâ verankerte Selbstgewissheit aus â Hornrufe und ein solides Streicherfundament rahmen den höfischen Tanz. Im Trio reduziert Mozart die Textur auf Streicher allein, ein klangliches âIndoorâ-Gegenbild, das beinahe wie ein Lichtwechsel wirkt: Plötzlich rĂŒckt die Musik nĂ€her, wird privater, kammermusikalischer.[1]
III. Andantino
In A-Dur gehalten, bietet das Andantino die lyrischste Passage des Werks. In moderner Kommentierung wird seine Form als rondoartig beschrieben â und man hört, weshalb: Wiederkehrendes Material gibt dem Satz ein sanftes GefĂŒhl des ZurĂŒckkehrens, als kreise die Musik um einen vertrauten Gedanken, statt nach vorn zu drĂ€ngen.[1] Die kantable Oboenlinie â von diskreten Streichern gestĂŒtzt â kann im Profil fast opernhaft wirken: ein frĂŒhes Zeichen dafĂŒr, wie Mozarts melodische Fantasie dazu neigt, âfunktionaleâ langsame SĂ€tze in kleine Szenen zu verwandeln.
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IV. Menuetto (Tema con variazioni)
Dieser Satz gehört zu den markantesten EinfĂ€llen von K. 251: ein Menuett, verschmolzen mit Variationstechnik. Mozart behandelt das Menuettthema als Refrain; die Trio-Funktion ĂŒbernehmen aufeinanderfolgende Variationen, die jeweils andere Spieler ins Licht rĂŒcken.[1] Bemerkenswert: Die erste Variation stellt die Oboe heraus, die zweite wendet sich der Solovioline zu, und in den Variationen schweigen die Hörner â eine kluge Entscheidung, die die Klangfarbe ausdĂŒnnt und den Fokus auf melodische Filigranarbeit und die Artikulation der Streicher schĂ€rft.[1]
V. Rondo (Allegro assai)
Das eigentliche Finale ist ein energisches Rondo, dessen wiederkehrender Refrain die Musik in Bewegung hĂ€lt und sie ideal fĂŒr geselliges Musizieren macht. Die Satztechnik wechselt zwischen Brillanz (Oboe und Hörner nach auĂen projizierend) und feineren, von den Streichern gefĂŒhrten Episoden â abwechslungsreich, ohne den Schwung einzubĂŒĂen.[1]
VI. Marcia alla francese
Die abschlieĂende Marcia alla francese setzt einen zeremoniellen Akzent. In der Salzburger Divertimento-Praxis kann ein Marsch als praktischer und theatralischer âRahmenâ dienen â Musik fĂŒr Ein- und Auszug oder fĂŒr Prozessionsbewegung. Am Schluss platziert, hinterlĂ€sst er eine eindeutig öffentliche Geste, als kehre die Unterhaltung am Ende in die Welt des formellen Anlasses zurĂŒck.[1]
Rezeption und Nachwirkung
K. 251 ist nicht so allgegenwĂ€rtig wie Mozarts spĂ€tere Wiener Serenaden, hat aber fĂŒr AusfĂŒhrende stets seinen Reiz behalten, weil es einen idealen Punkt trifft: bescheidene Mittel, lebendige BlĂ€serfarben und genĂŒgend strukturelles Gewicht, um eine ganze KonzerthĂ€lfte zu tragen. Der Sechssatz-Plan â insbesondere das fantasievolle Variations-Menuett â zeigt, wie Mozart die Salzburger Divertimento-Konventionen von innen her erweitert und ein mit Geselligkeit assoziiertes Genre in ein kleines Labor fĂŒr Form, Instrumentalfarbe und Charakter verwandelt.
FĂŒr heutige Hörer bietet das Werk ein besonders klares Fenster auf den 20-jĂ€hrigen Mozart: bereits zu sinfonischem Denken fĂ€hig, bereits empfindsam fĂŒr Timbre und Kontrast und bereits nicht bereit, âGelegenheitsmusikâ routiniert abzutun. Kurz: Das Divertimento Nr. 11 in D-Dur, K. 251 lohnt sich nicht trotz seiner Unterhaltungsherkunft, sondern weil Mozart diese Herkunft als Einladung zur Erfindung begreift.
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[1] Wikipedia: overview, date (July 1776, Salzburg), possible occasion (Nannerl name day/birthday), instrumentation, and movement list with analytic remarks.
[2] IMSLP work page: instrumentation and edition/score access for Divertimento in D major, K. 251.











