K. 22

Sinfonie Nr. 5 in B-Dur, K. 22 („Haager“ Sinfonie)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart family portrait by Carmontelle, 1764
The Mozart family in Paris, 1763–64 (Carmontelle)

Mozarts Sinfonie Nr. 5 in B-Dur, K. 22 ist ein kompaktes, dreisĂ€tziges Werk, das im Dezember 1765 in Den Haag entstand – Mozart war damals erst neun Jahre alt.1 Auch wenn sie keineswegs zum festen Kernrepertoire gehört, vermittelt sie ein anschauliches Bild davon, wie Mozart die symphonische Klangsprache der mittleren 1760er-Jahre aufnimmt – insbesondere den hellen, öffentlichkeitswirksamen Klang von Oboen und Hörnern – und dabei bereits mit bemerkenswerter Sicherheit Phrasen formt.1

Mozarts Leben zu dieser Zeit

Ende 1765 befanden sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) und seine Familie mitten in der langen Europareise, mit der das Wunderkind an Höfen und vor Konzertpublikum prĂ€sentiert wurde. Ihr Aufenthalt in Den Haag erstreckte sich vom Herbst 1765 bis in das FrĂŒhjahr 1766 – eine Zeit öffentlicher Auftritte, die jedoch auch von schweren Erkrankungen in der Familie ĂŒberschattet war.2 Mozarts Sinfonie in B-Dur, K. 22 gehört in diese Haager Phase und wird auf Dezember 1765 datiert – Musik, die zwar von einem Kind geschrieben wurde, aber klar fĂŒr erwachsene Hörer in einer professionellen AuffĂŒhrungskultur gedacht ist.1

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FĂŒr heutige Ohren sollte man K. 22 am besten nicht als „Miniatur-VorlĂ€ufer“ der spĂ€ten Meisterwerke hören, sondern als Dokument dafĂŒr, wie schnell Mozart lernte, fĂŒr die praktischen Gegebenheiten eines Orchesters des 18. Jahrhunderts zu schreiben: klare tonale Zielpunkte, markante Kadenzen und eine krĂ€ftige, ins Freie weisende BlĂ€serfarbe, die auch in grĂ¶ĂŸeren RĂ€umen trĂ€gt.1

Komposition und Handschrift

K. 22 wurde im Dezember 1765 in Den Haag komponiert.1 Es steht neben den anderen frĂŒhen Sinfonien aus den Jahren der Grand Tour – Werken, die oft wie sinfonie oder italienische OuvertĂŒren funktionieren: auf unmittelbare Wirkung angelegt, mit flinken Tempi, unkomplizierten Texturen und direkter Theatralik.

Die Besetzung ist typisch fĂŒr Mozarts frĂŒheste Sinfonik: Streicher mit je zwei Oboen und Hörnern.1 Dieses „kleine Orchester“ ist weniger eine EinschrĂ€nkung als vielmehr eine Ästhetik: Die Oboen schĂ€rfen das melodische Profil und stĂŒtzen die Oberstimmen, wĂ€hrend die Naturhörner sowohl harmonische Pfeiler setzen als auch einen zeremoniellen Glanz beisteuern. Selbst wenn der Satz technisch schlicht ist, ist die Klangfarbe gezielt eingesetzt – ein Grund, weshalb K. 22 charaktervoller wirken kann, als es seine bescheidene Anlage vermuten lĂ€sst.1

Instrumentierung

  • HolzblĂ€ser: 2 Oboen
  • BlechblĂ€ser: 2 Naturhörner (in B♭)
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass1

Musikalischer Charakter

K. 22 folgt dem dreisĂ€tzigen Muster, das mit der italienischen OuvertĂŒre (sinfonia) verbunden ist: schnell–langsam–schnell.1 In solchen Werken erwartet man eher starke Kontraste als eine tiefgreifende motivische Durcharbeitung; dennoch zeigt Mozart bereits ein GespĂŒr fĂŒr Dramaturgie und dafĂŒr, jedem Satz ein unverwechselbares Profil zu geben.

SĂ€tze

  • I. Allegro (B♭-Dur)
  • II. Andante (g-Moll)
  • III. Allegro molto (B♭-Dur)1

Das eröffnende Allegro ist knapp gefasst und strahlt durch helle Tuttipassagen und klar artikulierte Phrasen Selbstbewusstsein aus. Besonders bemerkenswert ist jedoch die Entscheidung fĂŒr einen langsamen Satz in Moll: Das Andante in g-Moll verleiht dem Werk – fĂŒr eine so frĂŒhe Komposition unerwartet – einen gedĂ€mpften Schwerpunkt.1 Das ist noch nicht „tragisch“ im spĂ€teren mozartischen Sinn, zeigt aber einen kindlichen Komponisten, der sich mit expressiven Kontrasten und dunklerer orchestraler Tönung souverĂ€n bewegt.

Das Finale (Allegro molto) stellt den extrovertierten Ton mit rasch vorwĂ€rtsdrĂ€ngenden Rhythmen und einem GefĂŒhl öffentlicher Beschwingtheit wieder her. Als Ganzes gehört, demonstriert K. 22 Mozarts frĂŒhes GespĂŒr fĂŒr Proportionen: Das StĂŒck verliert kaum Zeit, deutet aber einen grĂ¶ĂŸeren dramatischen Bogen an – heller Beginn, schattierte Mitte, zĂŒgige Entladung –, der die Ausdrucksstrategie vieler spĂ€terer klassischer Mehrsatzwerke vorwegnimmt.1

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[1] Wikipedia — Symphony No. 5 (Mozart), K. 22: date/place (The Hague, Dec 1765), movements, and instrumentation.

[2] German Wikipedia — 5. Sinfonie (Mozart): Hague stay dates and performance context during 1765–66.