K. 1b

K. 1b Allegro in C

av Wolfgang Amadeus Mozart

K. 1b Allegro in C

Ein Musikalischer Haushalt in Salzburg

In den spĂ€ten 1750er-Jahren war das Haus der Familie Mozart in Salzburg von Musik erfĂŒllt. Vater Leopold Mozart war Berufsmusiker und Komponist, und er machte das Familienheim zu einer AusbildungsstĂ€tte fĂŒr seine Kinder.

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Wolfgangs Ă€ltere Schwester, Maria Anna „Nannerl“ Mozart, begann im Alter von sieben Jahren mit dem Klavierspiel, und der dreijĂ€hrige Wolfgang sah ihr eifrig zu. Wie Nannerl spĂ€ter erzĂ€hlte, saß der kleine Wolfgang oft am Klavier, „spielte Terzen“ (Akkorde) und lĂ€chelte ĂŒber die wohlklingenden Töne. Als Leopold die Begeisterung seines Sohnes sah, begann er, ihm mit vier Jahren kleine StĂŒcke „zum Spielen“ beizubringen – und stellte fest, dass das Kind sie fehlerfrei und im exakten Takt spielen konnte.

Als Wolfgang fĂŒnf wurde, spielte er nicht nur Musik, sondern erfand auch eigene kleine Melodien, die er seinem Vater vorspielte, der sie gewissenhaft aufschrieb.

Das tÀgliche Leben im Hause Mozart drehte sich somit oft um das Klavier, und Wolfgang sog die Musik von Anfang an auf wie ein Schwamm.

FrĂŒhe Anzeichen von Genie

Mozarts außergewöhnliche Begabung blieb seinem Umfeld nicht verborgen. Familienfreunde staunten ĂŒber die Konzentration des Jungen – sobald Wolfgang in die Musik vertieft war, „war sein Geist fĂŒr alles andere wie tot“, erinnerte sich der Familienfreund Johann Schachtner in einem Brief.

Sogar das Spielen verwandelte sich in imaginÀre Konzerte: Wolfgang marschierte mit seinem Spielzeug nur dann umher, wenn jemand dazu sang oder spielte.

Er lernte neue StĂŒcke mit erstaunlicher Geschwindigkeit (Leopold vermerkte, dass er ein Menuett an einem spĂ€ten Abend in nur einer halben Stunde lernte).

Die vielleicht berĂŒhmteste Anekdote ĂŒber Mozarts frĂŒhes Genie ist die sogenannte „Konzert“-Geschichte. Eines Tages fanden Leopold und Schachtner den vierjĂ€hrigen „Wolfgangerl“ dabei, wie er konzentriert Noten auf Papier kritzelte. ZunĂ€chst sahen die Striche wie Tintenkleckse aus. „Wir lachten ĂŒber diesen offensichtlichen Unsinn“, gab Schachtner zu – bis Leopold die Musik genauer betrachtete. Die Noten waren richtig und sinnvoll auf das Notensystem gesetzt; das Kind versuchte, ein Klavierkonzert zu komponieren, weit jenseits dessen, was man einem Kleinkind zutrauen wĂŒrde. Leopold war erstaunt, gerĂŒhrt „zu TrĂ€nen des Staunens und der Freude“ ĂŒber die Ordnung der Komposition – obwohl er ausrief, sie sei „so außergewöhnlich schwer, dass sie niemand auf der Welt spielen könne“. Unbeeindruckt erklĂ€rte der kleine Wolfgang: „Darum ist es ein Konzert; man muss ĂŒben, bis es gelingt“, womit er bereits verstand, dass Übung den Meister macht.

Solche Geschichten verbreiteten die Vorstellung, Wolfgang sei kein gewöhnliches Kind – er war ein Wunderkind, das alle, die ihn hörten, mit seiner musikalischen Reife verblĂŒffte.

Die Entstehung des ersten StĂŒcks K. 1b

Im Jahr 1761, kurz nach seinem fĂŒnften Geburtstag, komponierte Wolfgang zu Hause seine ersten kleinen KlavierstĂŒcke. Leopold fĂŒhrte ein Notenbuch fĂŒr Nannerls MusikĂŒbungen (das „Nannerl-Notenbuch“), und in diesen Seiten wurden Wolfgangs frĂŒheste Kompositionen festgehalten. Laut Leopolds eigenen Notizen komponierte sein Sohn ein Andante in C-Dur (K. 1a) und ein Allegro in C-Dur (K. 1b) „in den ersten drei Monaten nach seinem fĂŒnften Geburtstag“.

Leopold schrieb die Musik nieder, da Wolfgang noch zu jung war, um sauber zu notieren – die musikalischen Ideen stammten jedoch vom Jungen selbst.

Das Allegro in C-Dur, spĂ€ter als K. 1b katalogisiert, entstand somit in familiĂ€rer AtmosphĂ€re – gewissermaßen als musikalische Kritzelei eines FĂŒnfjĂ€hrigen, eingefangen von einem aufmerksamen Vater. (Unter Musikwissenschaftlern wurde diskutiert, ob Mozart zu Beginn dieser Versuche vielleicht noch vier war, doch die Mehrheit nimmt an, dass er bereits fĂŒnf war.)

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Dieses Allegro und seine BegleitstĂŒcke sind extrem kurz und einfach – vermutlich entstanden sie aus Wolfgangs Improvisationen wĂ€hrend des Unterrichts. Leopolds Aufzeichnungen zeigen, dass der junge Mozart im Notenbuch StĂŒcke anderer Komponisten ĂŒbte und dann eigene versuchte.

Ein Blick ins Allegro in C-Dur

Obwohl es nur zwölf Takte umfasst, gewÀhrt das Allegro in C-Dur (K. 1b) einen bezaubernden Einblick in Mozarts aufkeimende MusikalitÀt.

Wie der Titel „Allegro“ andeutet, ist es ein helles, lebhaftes StĂŒck in der fröhlichen Tonart C-Dur. Anders als das noch einfachere Andante K. 1a (das aus wiederholten kleinen Phrasen besteht) ist K. 1b etwas weiter entwickelt.

Es beginnt mit einer energischen Geste: Die rechte Hand spielt auf den betonten SchlÀgen ein aufsteigendes C-Dur-Skalenfragment (von G bis E), wÀhrend die linke Hand auf den unbetonten SchlÀgen mit einer einfachen Gegenmelodie antwortet. Dadurch entsteht ein spielerischer Dialog zwischen den HÀnden.

Nachdem die Musik ihren Höhepunkt erreicht hat, fĂ€llt sie in einer Reihe gleichmĂ€ĂŸiger Viertel- und Achtelnoten zurĂŒck. Die linke Hand bleibt einfach – mehr konnte Wolfgangs kleine Finger vermutlich nicht bewĂ€ltigen – doch sie hĂ€lt die Harmonie zusammen. Interessanterweise erscheint die Schlusskadenz (das musikalische „Punktzeichen“) ĂŒberraschend frĂŒh, etwa in Takt 8.

Die letzten Takte bestehen im Wesentlichen aus Mozarts Spiel mit dem schlichten C-Dur-Akkord in verschiedenen Mustern – als wĂŒrde er sich an dem reinen Klang erfreuen.

Das StĂŒck ist in etwa einer halben Minute vorbei und endet mit einer einfachen authentischen Kadenz – einer entschlossenen C-Dur-Auflösung.

In modernen AuffĂŒhrungen wird es meist auf dem Cembalo gespielt, dem Instrument, das Wolfgang kannte.

Nach analytischen MaßstĂ€ben ist K. 1b natĂŒrlich eine sehr einfache Komposition – und doch logisch und eingĂ€ngig auf ihre eigene kleine Weise. Das kleine Allegro hat eine klare musikalische Aussage und ĂŒberdehnt seine Ideen nicht – ein Hinweis auf die Knappheit und Klarheit, die spĂ€ter Mozarts Musik auszeichnen sollten.

SpĂ€tere Betrachtungen ĂŒber Mozarts erste Töne

Lange Zeit galten K. 1b und die anderen frĂŒhesten StĂŒcke als bloße KuriositĂ€ten – reizende Erzeugnisse eines Wunderkindes. Erst im 19. Jahrhundert begannen Biografen, sie nach Anzeichen von Mozarts Genie zu untersuchen.

Otto Jahn bemerkte 1856 in seinem Werk Leben Mozarts, dass man in solchen kindlichen Versuchen „keine OriginalitĂ€t suchen“ könne (schließlich ahmte der junge Wolfgang die kleinen TĂ€nze und Lieder nach, die er hörte).

Doch Jahn war beeindruckt, dass diese ersten Kompositionen bereits Mozarts Instinkt fĂŒr „einfache Melodie und abgerundete Form“ zeigten – ohne jede Spur von kindischem Unsinn oder planlosem Tastengeklimper. Mit anderen Worten: Schon im Alter von fĂŒnf Jahren komponierte Mozart mit einer gewissen Anmut und MusikalitĂ€t, die sein Alter LĂŒgen strafte.

SpĂ€tere Forscher haben dieses Urteil bestĂ€tigt. Das Allegro in C-Dur K. 1b ist kein tiefgrĂŒndiges Werk, aber ein historisches Wunder – ein Schnappschuss musikalischer KreativitĂ€t im Entstehen.

Moderne Mozart-Experten betonen, dass Leopolds Unterricht entscheidend war – er lehrte Wolfgang, wie man Melodie und Harmonie aufbaut – doch der Junge musste selbst die Ideen und das Gehör mitbringen, um daraus Musik zu machen. Die Tatsache, dass K. 1b kurz, aber in sich stimmig ist, unterstreicht, dass Mozarts Talent angeboren war – gelenkt, aber nicht geschaffen durch den Vater.

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Heute begegnen Musikliebhaber K. 1b oft als Fußnote in Mozarts Lebensgeschichte (oder hören es als kleine KuriositĂ€t von jungen Pianisten gespielt), doch es bleibt ein reizendes Zeugnis fĂŒr den Beginn eines Genies.

In wenigen Takten eines schlichten C-Dur-Allegros ist das musikalische Leben der Mozarts eingefangen – die FĂŒrsorge des Vaters, die Inspiration der Schwester und die außergewöhnliche Gabe eines kleinen Jungen, die bereits in seinen ersten Noten aufleuchtete.