Divertimento Nr. 6 in C-Dur, K. 188 (K6 240b)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento Nr. 6 in C-Dur (K. 188; K6 240b) ist ein Salzburger Werk aus dem Jahr 1773, entstanden, als der Komponist 17 Jahre alt war. Besetzt fĂŒr ein nahezu âzeremoniellesâ Holz- und BlechblĂ€serensemble â zwei Flöten, fĂŒnf Trompeten und Pauken â hebt es sich deutlich von den bekannteren Salzburger Divertimenti und Serenaden ab und lohnt die Aufmerksamkeit durch seine kĂŒhne Klanglichkeit und sein knappes, auf den AuĂenraum zugeschnittenes handwerkliches Format.
Hintergrund und Kontext
1773 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) nach seiner dritten Italienreise wieder in Salzburg und trat in eine Phase ein, in der er bemerkenswert viel Musik fĂŒr höfische und bĂŒrgerliche Zwecke schrieb: Sinfonien, Serenaden, Kirchenwerke und verschiedenste âGelegenheitsstĂŒckeâ, gedacht fĂŒr öffentliche oder halböffentliche RĂ€ume. In diesem Umfeld war das Divertimento weniger eine âleichteâ Gattung als vielmehr ein flexibles gesellschaftliches Werkzeug â Musik fĂŒr Festlichkeiten, UniversitĂ€tsfeiern, aristokratische VergnĂŒgungen und Zeremonien unter freiem Himmel.
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K. 188 gehört zu Mozarts frĂŒhen Erkundungen des BlĂ€sersatzes, ein Faden, der von den italienisch geprĂ€gten Werken der frĂŒhen 1770er Jahre bis zu den groĂen Wiener Harmonie-Serenaden der 1780er fĂŒhrt. Und doch ist es alles andere als typisches âBlĂ€serserenadenâ-Repertoire. Die Besetzung â zwei Flöten, fĂŒnf Trompeten und Pauken â deutet nicht auf ein intimes Gartenensemble, sondern auf einen hellen, reprĂ€sentativen Klang, geeignet fĂŒr Projektion im Freien und fĂŒr die statusanzeigende Resonanz von Trompeten und Trommeln.[1]
Besonders reizvoll innerhalb von Mozarts Ćuvre ist gerade diese Mischung aus ZweckmĂ€Ăigkeit und Erfindung. Die Musik ist eindeutig auf praktikable Besetzungen und VerstĂ€ndlichkeit auf Distanz hin geformt, zugleich aber zeigt sie einen jungen Komponisten, der erprobt, wie weit schon Farbe allein â Registerkontraste, antiphonale Wechselspiele und die âöffentlicheâ Rhetorik von C-Dur â den Charakter eines StĂŒcks tragen kann.
Entstehung und UrauffĂŒhrung
Das Werk ist als Divertimento Nr. 6 in C-Dur, K. 188 (K6 240b), katalogisiert und wird allgemein in Salzburg 1773 verortet.[1][2] Anders als bei Mozarts am besten dokumentierten Salzburger Serenaden wird in gĂ€ngigen Referenzzusammenfassungen meist kein gesicherter ErstauffĂŒhrungsnachweis genannt; das StĂŒck ist als vollstĂ€ndige Partitur ĂŒberliefert und gilt seit langem als fest im authentischen Mozart-Repertoire verankert.[1]
Auch ohne benannten Anlass weist das stilistische Profil auf funktionale Zeremonialmusik hin. Trompeten und Pauken waren traditionell mit höfischer ReprĂ€sentation, festlichen AnkĂŒndigungen und Signalen im Freien verbunden; das HinzufĂŒgen eines Flötenpaares mildert und âzivilisiertâ den Glanz des Blechs ein wenig und gibt Mozart zwei bewegliche Melodiestimmen, die Verzierungen, Echoeffekte und leichtes cantabile ĂŒber dem martialischen Fundament tragen können.
Besetzung
Mozart schreibt K. 188 fĂŒr ein Ensemble, das selbst nach Divertimento-MaĂstĂ€ben ungewöhnlich ist:[1]
- HolzblÀser: 2 Flöten
- BlechblÀser: 5 Naturtrompeten (3 in C, 2 in D)
- Schlagwerk: Pauken (gestimmt auf CâG und DâA, entsprechend den Trompetenstimmungen)
Zwei Punkte verdienen besondere Betonung. Erstens sind die âfĂŒnf Trompetenâ keine moderne sinfonische Gruppe, sondern ein Naturtrompeten-Consort, in dem das Schreiben entlang der Obertonreihe und die Registerdisposition ebenso wichtig sind wie melodische Kontur. Zweitens unterstreichen die paarweisen Paukenstimmungen, dass die Besetzung als geschlossenes zeremonielles Ensemble gedacht ist: Trompeten und Pauken fungieren gemeinsam als Klangsignatur, nicht als gelegentliche VerstĂ€rkung.
Form und musikalischer Charakter
IMSLP fasst den Werkeintrag als sechssÀtziges Divertimento mit folgender Abfolge zusammen:[1]
- I. Andante
- II. Allegro
- III. Menuetto
- IV. Andante
- V. Menuetto
- VI. (Finalsatz in derselben Zusammenfassung ohne Tempobezeichnung aufgefĂŒhrt)
In der Anlage ist dies ein klar erkennbarer Salzburger âSerenadenplanâ: mehrere SĂ€tze, die StĂŒcke im mittleren Tempo mit TanzsĂ€tzen abwechseln, gedacht fĂŒr flexible Verwendung und dafĂŒr, die Aufmerksamkeit eines Publikums ĂŒber eine lĂ€ngere Spanne als nur einen einzelnen Konzertsatz zu binden. Doch die Besetzung verschiebt die Gattung in Richtung einer spezieller zugeschnittenen Rhetorik.
Klang als Struktur
Weil dem Ensemble die mittlere harmonische âPolsterungâ von Oboen, Hörnern und Fagotten fehlt, setzt Mozart auf Register und Timbre, um Form zu gliedern. Die Flöten können lyrische Linien tragen oder Kadenzen auszierend umspielen; die Trompeten liefern Glanz, harmonische Pfeiler und rhythmisches Profil; die Pauken schĂ€rfen Kadenzeinschnitte und steigern das GefĂŒhl des öffentlichen Anlasses. Dadurch werden musikalische âEreignisseâ oft weniger durch Modulation und DurchfĂŒhrung definiert als durch Wechsel der Textur â etwa Soloflöte gegenĂŒber vollem zeremoniellem Tutti oder das plötzliche Hervortreten des Schlagwerks in einer Kadenz.
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TanzsÀtze mit höfischem Einschlag
Die beiden Menuette sind mehr als bloĂes FĂŒllmaterial: In einem Divertimento im Freien ist das Menuett ein gesellschaftliches Zeichen und erinnert die Zuhörer auch mitten im FestlĂ€rm an höfische Ordnung. Hier verleiht schon die bloĂe PrĂ€senz von Trompeten und Pauken dem Menuett einen leicht prozessionalen Zug â ein eleganter Tanz, in die Farben öffentlicher Zeremonie gekleidet.
Warum das StĂŒck Aufmerksamkeit verdient
K. 188 lĂ€sst sich leicht unterschĂ€tzen, wenn man es mit der Erwartung an den harmonischen Reichtum von Mozarts spĂ€teren BlĂ€serserenaden hört. Sein Reiz liegt anderswo: Es ist eine anschauliche Fallstudie dafĂŒr, wie ein jugendlicher Mozart idiomatisch fĂŒr spezialisierte KrĂ€fte schreibt â er nutzt, was die Instrumente besonders gut können (TragfĂ€higkeit, Brillanz, rhythmische Klarheit), und gleicht zugleich aus, was sie weniger leisten (getragenes Innenstimmen-Kontrapunktieren). Im Kleinen zeigt sich hier sein Instinkt, musikalische Rhetorik auf soziale Funktion zuzuschneiden â eine der prĂ€genden FĂ€higkeiten hinter seinen reifen âöffentlichenâ Meisterwerken.
Rezeption und Nachwirkung
K. 188 hat nie die zentrale Stellung von Mozarts Wiener BlĂ€serserenaden eingenommen; dennoch ist es im Katalog und in der AuffĂŒhrungstradition prĂ€sent geblieben, nicht zuletzt, weil es etwas Seltenes bietet: ein Mozart-Divertimento, das klanglich eher an eine zeremonielle BlĂ€serformation als an ein höfisches Kammerensemble erinnert. Seine heutige VerfĂŒgbarkeit wird durch die Ăberlieferung vollstĂ€ndiger Materialien sowie durch die Verbreitung von Ausgaben und Partituren erleichtert (darunter moderne Urtextquellen und weithin zugĂ€ngliche Public-Domain-Scans).[1]
FĂŒr heutige Hörer ist die Anziehungskraft unmittelbar und körperlich: strahlende C-Dur-Trompeten, Paukenakzente und der luftige Schimmer zweier Flöten. FĂŒr AusfĂŒhrende und historisch interessierte Publika stellt das Werk zudem weiterfĂŒhrende Fragen nach Salzburgs festlicher Klanglandschaft in den frĂŒhen 1770er Jahren â welche Ensembles verfĂŒgbar waren, welche AnlĂ€sse eine solche Palette verlangten und wie Mozart lernte, âfĂŒr den Raumâ zu schreiben, lange bevor Wien seine theatralischen Instinkte schĂ€rfte. In diesem Sinn ist Divertimento Nr. 6 nicht bloĂ eine KuriositĂ€t: Es ist ein kleines, aber aufschlussreiches Fenster in Mozarts sich entwickelnde Meisterschaft instrumentaler Farbe als TrĂ€gerin von Stil, Funktion und Bedeutung.
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[1] IMSLP work page: Divertimento in C major, K.188/240b â movements list, scoring, composition year, and edition references.
[2] Wikipedia: Köchel catalogue â table entry noting K. 188 (K6 240b), mid-1773, Salzburg, and Mozartâs age (17).









