K. Anh.A 36

Canzonetta „Ridente la calma“ in F-Dur (K. 152/210a)

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Canzonetta Ridente la calma (K. 152/210a) in F-Dur ist als kurzes italienisches Lied für Singstimme und Tasteninstrument überliefert und wird mit dem Salzburger Mozart der 1770er Jahre in Verbindung gebracht – doch ihr eigentliches Charakteristikum ist, dass sie im üblichen Sinn keine „originäre“ Mozart-Komposition ist. Am treffendsten lässt sie sich vielmehr als Mozarts Bearbeitung/Adaptation einer Arie des böhmisch-italienischen Opernkomponisten Josef Mysliveček (1737–1781) verstehen, den Mozart in den 1770er Jahren kannte und schätzte [1] [2].

Hintergrund und Kontext

In Katalogen und Rezitalprogrammen wird Ridente la calma häufig unter Mozarts kleineren Vokalwerken als Canzonetta (eine knappe italienische Arietta) für Stimme und Tasteninstrument geführt, traditionell mit dem Salzburger Jahr 1775 verbunden – Mozart war damals 19. Die Zuschreibung gilt der Forschung jedoch seit Langem als problematisch: Der musikalische Kern stammt von Josef Mysliveček, während Mozarts Anteil in der Rolle des Arrangeurs/Transkribenten liegt (eine Form von Autorschaft, die das Musikleben des 18. Jahrhunderts zugleich als praktisch und als künstlerisch bedeutsam verstand) [1] [2].

As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.

Warum tat Mozart das? In den 1770er und 1780er Jahren kursierten „transportable“ Arien in Handschriften weitverbreitet, und Sängerinnen und Sänger – insbesondere gefeierte Kastraten und Primadonnen – führten beliebte „Baggage Arias“ mit sich, um sie in neue Werke oder Pasticci einzuschieben. Ridente la calma gehört in dieses Umfeld: Der Text „Ridente la calma“ ist mit späterer theatraler Wiederverwendung verknüpft, während die Popularität der Melodie ihr den Weg ins Salon- und Rezitalrepertoire ebnete – durch Bearbeitungen für Singstimme und Tasteninstrument [1] [3].

Innerhalb von Mozarts Œuvre ist die Canzonetta daher weniger ein Fenster in seinen „originalen“ Salzburger Liedstil als vielmehr ein Einblick in sein professionelles Musikerhandwerk – in seine Fähigkeit, zeitgenössische vokale „Hits“ in eine spiel- und singbare Gestalt für häusliche oder halböffentliche Aufführung zu bringen. Zugleich erinnert sie daran, wie eng vernetzt Mozarts Musikwelt war: Er nahm Stile auf, tauschte Material und reagierte auf modische Stimmen und Gattungen.

Text und Komposition

Der italienische Text setzt mit dem markanten Bild einer lächelnden Ruhe ein – „Ridente la calma nell’alma si desti“ („Möge lächelnde Ruhe in meiner Seele erwachen …“) – ein konventionelles, aber wirkungsvolles arkadisches Empfinden, das eher zu einer sanft fließenden Vokallinie einlädt als zu dramatischer Deklamation [4].

Im Kontext der Neue Mozart-Ausgabe/Digital Mozart Edition erscheint das Stück unter den Liedern (Lieder) und ist als „Ridente la calma“ … KV 152 (210a) = aria (Canzonetta) bezeichnet – eine Benennung, die sowohl seine Aufführungsidentität (ariahaft) als auch seinen kammermusikalischen Zuschnitt (liedhaft) widerspiegelt [5]. Viele moderne Verzeichnisse bewahren zudem die Doppelnumerierung K. 152 und K. 210a, ein Hinweis auf die komplexe Überlieferungs- und Klassifikationsgeschichte [2].

Musikalischer Charakter

Rein als Musik gehört – ohne Sorge um Fragen der Zuschreibung – ist Ridente la calma ein Musterbeispiel vokalen Charmes des späten 18. Jahrhunderts: kantabel, symmetrisch gebaut und der Stimme dankbar. In F-Dur ist der Grundaffekt warm und pastoral; die Phrasierung begünstigt lange, gesponnene Legato-Bögen. Der Klavierpart fungiert als stützende Begleitung und nicht als gleichberechtigter Partner, was die Identität als Canzonetta sowie die wahrscheinliche Verwendung im privaten Musizieren unterstreicht.

Gerade diese Mischung aus Eleganz und Vermittlung macht das Stück heute beachtenswert. Es zeigt, dass „Mozart“ in der Epoche auch Mozart als Arrangeur bedeuten konnte – ein Künstler, dessen Geschmack prägte, was er weitergab. Für Sängerinnen und Sänger bietet die Canzonetta eine konzentrierte Studie klassischer Linienführung: Atemführung, gleichmäßige Tongebung über den Umfang hinweg und expressive Zurückhaltung (die Ruhe soll lächeln, nicht prunken). Für Hörende ist sie eine aufschlussreiche Fußnote zur Mozart-Legende: ein kleines, anziehendes Werk, dessen Geschichte die durchlässige Grenze zwischen Originalkomposition, Bearbeitung und dem opernhaften Marktplatz der Melodien nachzeichnet.

As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.

[1] Scholarly study on the authorship/history of “Ridente la calma,” identifying it as an adaptation of a Mysliveček aria and outlining its transmission.

[2] IMSLP work page discussing the piece’s former attribution to Mozart and its status as spurious/derived, with score access and catalog context.

[3] Reference overview of Josef Mysliveček, including discussion of “Ridente la calma” as a baggage-aria phenomenon and Mozart’s arrangement (secondary reference).

[4] Program notes and translations providing the Italian incipit and an English translation; notes the doubtful/spurious origins.

[5] Neue Mozart-Ausgabe (Digital Mozart Edition) volume introduction listing “Ridente la calma” as KV 152 (210a) among songs/arias (canzonetta).