K. 139

Missa solemnis in c-Moll, „Waisenhaus“ (K. 139)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts Missa solemnis in c-Moll, die „Waisenhausmesse“ (K. 139), entstand 1768 in Wien, als der Komponist erst zwölf Jahre alt war. FĂŒr eine hochrangige Kirchenweihe konzipiert, ist sie ein frĂŒhes geistliches Werk von bemerkenswertem öffentlichen Anspruch – und erprobt bereits die Grenzen zwischen Liturgie und theatralischem Ausdruck.

Mozarts Leben zu dieser Zeit

1768 lebte Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) mit seiner Familie in Wien – einer Stadt, deren Musikleben zugleich Chancen bot und von scharfem Wettbewerb geprĂ€gt war. Mit zwölf Jahren galt er am Hof bereits als Wunderkind, und Wiens zeremonielle Kultur – in der große kirchliche Feste und bĂŒrgerlich-religiöse AnlĂ€sse umfangreiche, glĂ€nzende Musik verlangten – bot die ideale BĂŒhne fĂŒr einen jungen Komponisten, der beweisen wollte, dass er auch „erwachsene“ öffentliche Gattungen beherrschte.

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Die Waisenhausmesse gehört zu einem entscheidenden Wiener Moment: Sie ist keine Salzburger missa brevis fĂŒr den alltĂ€glichen Gottesdienst, sondern eine festliche, reprĂ€sentative Messe, die Eindruck machen sollte. Zeitgenössische Berichte verbinden die UrauffĂŒhrung mit der Weihe der Waisenhauskirche am Rennweg, einer Veranstaltung, an der der kaiserliche Hof teilnahm – einschließlich Kaiserin Maria Theresias – und die mit Mozarts öffentlichem Erfolg als Dirigent und Komponist in Zusammenhang gebracht wird [1] [2].

Entstehung und Manuskript

Das Werk ist Mozart zweifelsfrei zugeschrieben und vollstĂ€ndig erhalten. Üblicherweise wird es auf 1768 in Wien datiert und mit dem Weihegottesdienst am 7. Dezember 1768 in Verbindung gebracht [2] [3]. Ältere Kataloge fĂŒhren es mitunter unter abweichenden Köchel-Nummern (insbesondere K. 47a); das spiegelt frĂŒhere Unsicherheiten der Mozart-Katalogisierung wider und bedeutet keinen Zweifel an der Autorschaft [3].

In den Dimensionen einer missa solemnis angelegt – Solisten, Chor und ein Orchester mit markantem Blech – ist die Messe fĂŒr einen ZwölfjĂ€hrigen ungewöhnlich umfangreich. Eine moderne Verlagssynopse betont treffend ihren zeremoniellen Charakter: Es handelt sich vermutlich um Mozarts ersten vollstĂ€ndigen Beitrag zum festlichen Typus der missa solemnis „mit Blech“, der fĂŒr besonders reprĂ€sentative AnlĂ€sse gepflegt wurde; auch die Dauer (rund vierzig Minuten) bestĂ€tigt die Absicht als öffentliches Statement und nicht als liturgische Miniatur [4].

Besetzung (typische Anlage) [4] [5]

  • Vokal: SATB-Solisten; SATB-Chor
  • HolzblĂ€ser: 2 Oboen
  • BlechblĂ€ser: Trompeten (einschließlich hoher Clarino-Stimmen); 3 Posaunen (colla parte, zur VerstĂ€rkung der Chorstimmen)
  • Schlagwerk: Pauken
  • Streicher: Violinen I & II, Violen
  • Continuo: Basso continuo

Musikalischer Charakter

Die Waisenhausmesse folgt dem Ordinarium in sechs großen Teilen – Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei –, doch ihr einprĂ€gsamstes Merkmal ist, wie kĂŒhn Mozart den Text dramatisiert. Selbst im kirchlichen Rahmen sucht der junge Komponist nach pointierten Kontrasten von Tempo, Satztechnik und Affekt: feierliche Einleitungen gehen in schnelle, helle ChorsĂ€tze ĂŒber; die Schwere des Moll wird durch festliche C-Dur-Brillanz ausbalanciert; und die Klanglichkeit von Blech und Pauken verleiht dem Ganzen ein zeremonielles, „öffentliches“ Profil [3].

Carus’ рДЎаĐștioneller Überblick hebt etwas hervor, das fĂŒr Mozarts Entwicklung besonders aufschlussreich ist: In SĂ€tzen wie dem Kyrie und Agnus Dei kann die Musik auf ausgesprochen theatralische Ausdrucksstrategien zurĂŒckgreifen – ein frĂŒhes Zeichen fĂŒr den Instinkt des Komponisten, den sakralen Text nicht nur als rituelle Formel, sondern als Drama zu begreifen: mit scharf profilierten Abschnitten und gesteigerter Rhetorik [4].

Warum verdient dieses Juvenile heute Aufmerksamkeit? Gerade weil es die gĂ€ngige ErzĂ€hlung erschwert, Mozarts frĂŒhe geistliche Musik sei lediglich „Übung“ fĂŒr spĂ€tere Meisterwerke. K. 139 ist bereits ein Werk von architektonischer Spannweite: weitgespannte Abschnitte, zeremonielle Orchestrierung und ein sicheres GespĂŒr fĂŒr öffentliches Timing. Neben der spĂ€teren unvollendeten Großen Messe in c-Moll, K. 427, gehört, deutet sie eher KontinuitĂ€t als Bruch an – Mozarts lebenslange Faszination fĂŒr c-Moll als gesteigerten Ausdrucksraum und seinen wiederkehrenden Impuls, liturgische Tradition mit den theatralischen Instinkten eines Opernkomponisten zu verschmelzen, der hier erstaunlich frĂŒh schon prĂ€sent ist.

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Noten

Noten fĂŒr Missa solemnis in c-Moll, „Waisenhaus“ (K. 139) herunterladen und ausdrucken von Virtual Sheet MusicÂź.

[1] BĂ€renreiter (UK), preface PDF for “Waisenhausmesse” (includes first-performance date and court attendance context)

[2] Köchel-Verzeichnis (Internationale Stiftung Mozarteum), work entry for K. 139 “Waisenhaus-Messe”

[3] Wikipedia: Mass in C minor, K. 139 “Waisenhaus” (date, occasion, outline, and commonly cited scoring)

[4] Carus-Verlag work page (scoring details, duration estimate, and editorial overview of style/character)

[5] IMSLP: Missa solemnis in C minor, K. 139 (access to scores and publication/edition metadata)