K. 11

Violinsonate Nr. 6 in G-Dur (K. 11)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart family portrait by Carmontelle, 1764
The Mozart family in Paris, 1763–64 (Carmontelle)

Mozarts Violinsonate Nr. 6 in G-Dur (K. 11) entstand 1764 in London, als er acht Jahre alt war, als Teil einer Sammlung von sechs „Sonaten fĂŒr Tasteninstrument mit Violin- (oder Flöten-) Begleitung“. Trotz ihres bescheidenen Umfangs gewĂ€hrt sie einen aufschlussreichen Einblick darin, wie der junge Komponist Londons modischen galanten Stil—insbesondere den Einfluss Johann Christian Bachs—aufnahm, dabei aber schon in klaren, ausgewogenen Phrasen und ordentlichen formalen Anlagen dachte.[2]

Mozarts Leben zu dieser Zeit

1764 befand sich die Familie Mozart mitten auf der gefeierten „Grand Tour“ und prĂ€sentierte Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) und seine Schwester Nannerl in ganz Europa als außergewöhnliche Tastenvirtuosen. Der Londoner Aufenthalt erwies sich als ungewöhnlich produktiv: Neben öffentlichen und höfischen Auftritten komponierte Mozart eine Reihe von Werken, die den lokalen Geschmack treffen und sich im Druck verbreiten sollten. Die Sonaten K. 10–15 gehören zu diesem praktischen, kosmopolitischen Londoner Moment—Musik fĂŒr das Musizieren im Haus, bei dem ein versierter Tasteninstrumentalist glĂ€nzen konnte und ein zweiter Spieler ohne ĂŒbermĂ€ĂŸige Schwierigkeiten mitwirken konnte.[1][2]

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Gerade dieser Kontext macht K. 11 bemerkenswert. Es ist noch nicht die spĂ€tere „Konversations“-Sonate aus Mozarts Wiener Jahren; vielmehr dokumentiert das Werk ein Genre im Übergang, in dem das Begleit-Instrument gedanklich noch optional ist, in der Praxis jedoch zunehmend integriert wird. Hört man K. 11 mit wachen Ohren, kann man den jungen Mozart dabei beobachten, wie er Kontraste zu dosieren lernt, Kadenzen artikuliert und das Interesse ĂŒber einen mehrsĂ€tzigen Plan hinweg trĂ€gt—FĂ€higkeiten, die spĂ€ter seine reife Kammermusik tragen sollten.[1]

Entstehung und Manuskript

Die Violinsonate Nr. 6 in G-Dur (K. 11) wurde Ende 1764 in London als Teil der Sammlung K. 10–15 komponiert: Sonaten fĂŒr Tasteninstrument mit Begleitung von Violine (oder Flöte) und Violoncello.[1] Sie wurden fĂŒr den englischen Hof in Auftrag gegeben und Königin Charlotte gewidmet; Leopold Mozart beaufsichtigte ihre Veröffentlichung in London als Mozarts „Opus III“.[1]

Auch die moderne Katalogisierung spiegelt die gemischte IdentitĂ€t dieser Sonaten. Zwar nennen viele Ausgaben und Traditionen sie „Violinsonaten“, doch ordnet die Neue Mozart-Ausgabe K. 10–15 den Klaviertrios zu—ein editorischer Hinweis darauf, dass das Tasteninstrument das formale GerĂŒst trĂ€gt, wĂ€hrend die Violinstimme meist die Melodie verstĂ€rkt, Linien verdoppelt oder einen leichten Kontrapunkt beisteuert.[1] Die Partitur ist ĂŒber große gemeinfreie Notenportale weithin zugĂ€nglich, was dazu beigetragen hat, diese frĂŒhen Sonaten trotz ihrer vergleichsweisen Seltenheit in gĂ€ngigen Rezitalprogrammen in Studium und Praxis prĂ€sent zu halten.[3]

Musikalischer Charakter

K. 11 ist eine dreisĂ€tzige Sonate, deren Anlage bereits Mozarts GespĂŒr fĂŒr Kontrast und Proportion erkennen lĂ€sst:

  • I. Andante (G-Dur)[1]
  • II. Allegro (C-Dur)[1]
  • III. Menuetto (da capo Allegro)[1]

Das eröffnende Andante wirkt gefasst und kantabel in der Phrasierung—Musik, die wie dafĂŒr gemacht scheint, am Tasteninstrument „gesprochen“ zu werden. Die Rolle der Violine besteht, wie in vielen Jugendsonaten, eher darin, die melodische Linie zu fĂ€rben und zu stĂŒtzen, als mit ihr zu konkurrieren; dennoch weist schon die Möglichkeit, eine Violine hinzuzunehmen, auf eine soziale, gemeinschaftliche Art des Musizierens hin, die Londoner Publikum und Liebhabermusiker schĂ€tzten.[1]

Das kurze mittlere Allegro in C-Dur wirkt wie ein helles Intermezzo—ein effizienter Wechsel von Tonart und Affekt, der den Gesamtplan beweglich und leicht hĂ€lt. Das abschließende Menuetto (mit RĂŒckkehr „da capo“) rĂŒckt K. 11 in die tĂ€nzerisch geprĂ€gte Welt der hĂ€uslichen Unterhaltung der Mitte des 18. Jahrhunderts: ausgewogene Zwei- und Vier-Takt-Einheiten, klare kadenzielle Zeichensetzung und ein OberflĂ€chenreiz, der weniger „kleiner Mozart“ ist als Mozart, der genau das schreibt, was der Augenblick verlangte.[1]

Zusammengefasst verdient die Violinsonate Nr. 6 in G-Dur Aufmerksamkeit als ein kleines, aber sprechendes Dokument von Mozarts Londoner Lehrjahren: ein kindlicher Komponist, der innerhalb eines etablierten kommerziellen Genres arbeitet, das galante Idiom aufsaugt und es zugleich schon mit unverkennbarer Klarheit formt. FĂŒr Hörerinnen und Hörer, die die reifen Violinsonaten kennen, bietet K. 11 ein faszinierendes Vor-Bild—eine frĂŒhe Skizze von Mozarts lebenslanger Gabe, einfache Mittel unvermeidlich wirken zu lassen.

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[1] Wikipedia: background on Mozart’s London set K. 10–15 (commission, dedication, publication context) and K. 11 movement list

[2] Naxos booklet note (PDF) for the early London sonatas: arrival in London (April 1764), publication/dedication (January 1765), stylistic influence (J. C. Bach), and track listing including K. 11 movements

[3] IMSLP: public-domain score access page for Violin Sonata in G major, K. 11