K. Anh.A 27

4 Contredanses in F-Dur, K. 101 (K.6 250a)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart with Golden Spur medal, 1777
Mozart wearing the Order of the Golden Spur, 1777 copy

Mozarts 4 Contradanses in F-Dur (K. 101, auch als K.6 250a katalogisiert) sind ein kompaktes Set orchestraler Gesellschaftstänze, 1776 in Salzburg komponiert, als er 20 Jahre alt war. Von ihrer Anlage her kurz und funktional, zeigen sie dennoch das Talent des jungen Komponisten für klare Phrasenbildung, leuchtende Bläserfarben und jene rhythmische „Hebung“, die eine Tanzmelodie weit über den Ballsaal hinaus tragfähig macht.

Hintergrund und Kontext

1776 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) fest im Salzburger Musikleben verankert: im Dienst des Fürsterzbischofs angestellt und als Auftragskomponist in einer ungewöhnlich großen Bandbreite von Gattungen tätig. Neben Kirchenmusik und gelegentlichen Serenaden bildete Tanzmusik einen praktischen, oft unterschätzten Bestandteil dieses Ökosystems: kurze, wiederholbare Stücke, gedacht für gesellschaftliche Bewegung, nicht für kontemplatives Konzert-Hören.

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Die Contradance (auch Contredanse)—ein lebhafter, im geraden Takt stehender Modetanz europäischer Prägung—gehörte zu den mobilsten Gattungen des späten 18. Jahrhunderts und kursierte gleichermaßen in höfischen wie bürgerlichen Kreisen. Mozart wurde später in Wien ein ausgesprochen produktiver Lieferant von Tänzen für die Faschingsbälle; doch K. 101 zeigt, dass er das Handwerk bereits in Salzburg sicher beherrschte: Melodien zu schreiben, die sofort einleuchten, sich auf der Tanzfläche leicht koordinieren lassen und an der orchestralen Oberfläche angenehm abwechslungsreich sind.[1]

Gerade diese Mischung aus Zweckmäßigkeit und Feinarbeit macht das Set heute hörenswert. Es sind keine „Mini-Sinfonien“, und sie geben sich auch nicht als solche aus. Und doch gelingt Mozart in wenigen Dutzend Takten eine klare Kadenzgliederung, ein attraktives Wechselspiel von Bläsern und Streichern sowie ein leicht theatralisches Timing—Fähigkeiten, die direkt in seine größeren Salzburger Instrumentalwerke der mittleren 1770er Jahre hineinwirken.

Komposition und Uraufführung

Die vier Tänze werden auf 1776 datiert und mit Salzburg in Verbindung gebracht.[1] Die genauen Umstände des Auftrags sowie Details der ersten Aufführung sind nicht so verlässlich dokumentiert wie bei Mozarts großen Bühnen- und Konzertwerken; sie gehören zur normalen „Anlassmusik“ einer höfischen Stadt—für den gesellschaftlichen Gebrauch bestimmt und flexibel an die jeweils verfügbaren Spieler anpassbar.

In der modernen Katalogüberlieferung umfasst das Set vier kurze Nummern mit kontrastierenden Tonarten und Charakteren—eine innere Vielfalt, die in einer Tanzfolge die Aufmerksamkeit wachhält.[1] In späteren Einspielungen und Titellisten wird der letzte Tanz mitunter als „Gavotte“ bezeichnet—ein Hinweis darauf, dass die Tanzpraxis des 18. Jahrhunderts in Benennungen und in der Überlappung rhythmischer Typen innerhalb der Aufführungskultur durchaus flexibel war.[2]

Instrumentation

K. 101 ist für ein bescheiden besetztes Salzburger Orchester bzw. eine Tanzkapelle geschrieben; die Bläser dienen vor allem der Farbe, Artikulation und Verstärkung, weniger virtuoser Schaustellung.[1]

  • Bläser: 1 Flöte, 2 Oboen, 1 Fagott
  • Blech: 2 Hörner (in den Quellen mit Bögen für F/D angegeben)
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass

Zwei praktische Punkte lassen sich leicht übersehen. Erstens ist die Besetzung „voll“ genug, um in einem Saal festlich zu klingen, zugleich aber leicht genug, um aus den gemischten Ensembles zusammengestellt zu werden, die Salzburg für abendliche Unterhaltungen aufbieten konnte. Zweitens verleiht die Bläserführung den Tänzen ein eigenes Profil—vor allem dadurch, dass Oboen die auftaktgetriebenen Akzente schärfen können und die Hörner eine nach außen strahlende Helligkeit beisteuern, selbst wenn die harmonische Rhythmik schlicht bleibt.

Form und musikalischer Charakter

Jede Contredanse besteht aus kurzen, symmetrischen Phrasen (typischerweise in wiederholten Teilen), die die Orientierung der Tänzer stützen: Einsätze sind klar markiert, Kadenzen kommen „planmäßig“, und die rhythmischen Muster sind so gestaltet, dass sie körperlich spürbar ebenso wie hörbar sind.

Eine hilfreiche Übersicht des Sets, wie es häufig gelistet wird, lautet:[1]

  • I. Contredanse (F-Dur)
  • II. Andantino – Allegro (G-Dur)
  • III. Contredanse (D-Dur)
  • IV. Contredanse (F-Dur) (in modernen Verzeichnissen oft als „Gavotte“ bezeichnet)[2]

I. Contredanse (F-Dur)

Die Eröffnungsnummer stellt die gesellschaftliche Funktion des Sets sofort klar: helles Tonika-Fundament, kompakte Phrasen und eine Melodie, die bequem in den Instrumenten liegt. Was Mozarts bessere Tanzmelodien auszeichnet, ist nicht Komplexität, sondern Profil—das Gefühl, dass jede Phrase einen Anfang, ein Ziel und ein sauberes Ausklingen hat. Selbst wenn die Harmonik weitgehend diatonisch bleibt, wird die Oberfläche durch eine „konversationelle“ Instrumentation belebt: hier eine Bläserfarbe, dort eine Streicherantwort.

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II. Andantino – Allegro (G-Dur)

Die Tempobezeichnung (Andantino – Allegro) deutet eine zweiteilige Binnenanlage an: ein etwas gemessenerer Beginn, der dem Ohr als „Reset“ dienen kann, gefolgt von einer schnelleren Fortführung.[1] Im Kleinen zeigt sich hier Mozarts Gespür dafür, eine Unterhaltungsfolge zu disponieren. Die langsamere Einleitung ist in keiner sinfonischen Bedeutung ein Durchführungsteil; vielmehr bietet sie einen Kontrast der Gangart—eine elegante Möglichkeit, die Stimmung zu variieren, ohne die Form auszudehnen.

III. Contredanse (D-Dur)

Der Wechsel nach D-Dur bringt einen stärkeren Glanz (besonders mit den Hörnern) und eine andere Stufe festlicher Wirkung. In der Praxis des 18. Jahrhunderts helfen solche Tonartwechsel innerhalb eines Sets, das Ohr frisch zu halten; für die Ausführenden regen sie zudem Veränderungen der Instrumentalfarbe über Bögen und Lage an.

IV. Contredanse (F-Dur) ("Gavotte")

Die Rückkehr nach F-Dur gibt dem Set einen überzeugenden Rahmen. Moderne Hinweise versehen diesen letzten Tanz bisweilen mit der Bezeichnung „Gavotte“, was möglicherweise ebenso sehr seinen rhythmischen Charakter und Phrasenzuschnitt widerspiegelt wie eine strikt choreografische Identität.[2] So oder so funktioniert er schlüssig als Abschluss: knapp, freundlich und hell.

Rezeption und Nachwirkung

K. 101 steht außerhalb des „Kanons im Kanon“—es ist weder ein Konzert noch eine späte Sinfonie oder ein Opernfinale. Und doch spiegeln diese Tänze eine zentrale Wahrheit von Mozarts Laufbahn: Er war ein professioneller Komponist, der Musik für den Alltag lieferte, und er lernte, kleine Formen mit Klarheit und Charme zum Sprechen zu bringen.

Für heutige Hörer bietet das Set mehrere Reize. Es gibt einen Einblick in die Salzburger Unterhaltungskultur der mittleren 1770er Jahre; es zeigt Mozarts geschickten Umgang mit Bläser- und Streicherklang auf kleiner Ebene; und es erinnert daran, dass orchestrales Schreiben im 18. Jahrhundert nicht auf den Konzertsaal beschränkt war. In heutiger Aufführung—ob als Zugabe, als Teil eines Tanzmusikprogramms oder als verbindendes Element eines Salzburg-Themenabends—kann K. 101 die Freude an Mozarts „funktionaler“ Musik neu behaupten: Kunst, die ihre Aufgabe wunderschön erfüllt, ohne auf Größe zu pochen.[1]

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1 IMSLP-Werkseite zu Mozart, 4 Country Dances (4 Contradanses), K. 101/250a: Satzliste, Kompositionsjahr und Instrumentation. https://imslp.org/wiki/4_Country_Dances%2C_K.101/250a_%28Mozart%2C_Wolfgang_Amadeus%29 2 Amazon-Music-Titelliste mit Verweis auf „Four Contredanses, K.101: No. 4 in F (Gavotte)“ (Beleg für moderne Benennung/Praxis). https://music.amazon.com/tracks/B003LXSHL2