K. 336

Kirchensonate Nr. 17 C-Dur, K. 336

di Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts Kirchensonate Nr. 17 C-Dur, K. 336 (MĂ€rz 1780) ist die letzte – und in mancher Hinsicht die kĂŒhnste – jener kompakten „Epistelsonaten“, die er fĂŒr die Messe in Salzburg schrieb. Obwohl sie nur wenige Minuten der Liturgie fĂŒllen soll, behandelt sie die Orgel nicht als unauffĂ€lliges Continuo, sondern als wirklich konzertierenden Solisten und verdichtet die Rhetorik eines Konzertsatzes zu einem einzigen, strahlenden Allegro.[2][3]

Hintergrund und Kontext

In Salzburg stand Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) im Dienst von Erzbischof Hieronymus Colloredo, dessen pragmatisches VerstĂ€ndnis des Gottesdienstes KĂŒrze und Klarheit verlangte. Eine lokale Lösung fĂŒr die zeitlichen AblĂ€ufe der Liturgie war die sonata da chiesa (im heutigen Englisch oft „Epistle Sonata“ genannt): ein kurzes, einsĂ€tziges InstrumentalstĂŒck, das in der feierlichen Messe zwischen Epistel und Evangelium erklang.[3]

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Mozart komponierte zwischen 1772 und 1780 siebzehn solcher Kirchensonaten – fĂŒr die in der Salzburger Dommusik verfĂŒgbaren KrĂ€fte und fĂŒr die Domorgeln (oft kleinere Instrumente, die eher kammermusikalische Texturen begĂŒnstigten).[3] Wenn diese Werke lange im Schatten der großen Messen und Vespern standen, lohnen sie doch als eine Art liturgisches „Labor“ besondere Aufmerksamkeit: ein Ort, an dem Mozart Konzertgesten, Dialog und Form unter den strengen BeschrĂ€nkungen von Dauer und Funktion erprobt.

Entstehung und liturgische Funktion

Kirchensonate Nr. 17 C-Dur, K. 336 entstand im MĂ€rz 1780 in Salzburg, als Mozart 24 Jahre alt war.[1][2] Wie die ĂŒbrigen Kirchensonaten ist auch ihre Aufgabe ausdrĂŒcklich liturgisch: Sie â€žĂŒberbrĂŒckt“ das kurze Zeitfenster, in dem der Zelebrant zwischen den Leseorten wechselt, und wurde typischerweise mit einer Messe in derselben Tonart und von Ă€hnlich festlichem Zuschnitt kombiniert.[3]

Die Besetzung entspricht der Salzburger Norm: zwei Violinen mit Bass (Violoncello/Kontrabass) und Orgel.[3] Doch K. 336 ist alles andere als Routine. Ein modernes Kommentarwerk beschreibt sie als „Konzertsatz en miniature“ – mit kurzen Ritornellen und sogar einer ausgeschriebenen Einladung zu kadenzartiger Brillanz.[2]

Musikalische Struktur

K. 336 besteht aus einem einzigen Satz:

  • I. Allegro (C-Dur)[3]

Das hervorstechendste Merkmal ist die obbligato-Orgelstimme. Im Zyklus der Kirchensonaten weist Mozart der Orgel bisweilen eine echte Solorolle zu; doch K. 336 treibt diesen Gedanken weiter: Figuration und Passagenwerk der Orgel wirken weniger wie Begleitung als wie eine verdichtete Konzertexposition, wÀhrend die Streicher einen kompakten orchestralen Rahmen liefern.[2][3]

Formal lĂ€sst sich eine Sonatenhauptsatz-Logik (Exposition, DurchfĂŒhrung, Reprise) hören; zugleich ĂŒbernimmt der Satz konzertante Gepflogenheiten: kurze tuttiartige „Pfeiler“ (Ritornelle) und ein spĂŒrbares Argumentieren von Solo gegen Ensemble.[2] Besonders auffĂ€llig ist, wie Mozart die Reprise nicht bloß als „RĂŒckkehr“ gestaltet, sondern zuspitzt: Nach dem Wiedererscheinen der Hauptgedanken fĂŒgt er durchfĂŒhrungsartige Verarbeitung hinzu und erlaubt sogar eine Wendung zur Tonika-Moll, die das harmonische Profil schĂ€rft, ohne den liturgischen Glanz zu mindern.[2]

Rezeption und Nachwirkung

Da diese StĂŒcke funktional, lokal gebunden und kurz waren, zirkulierten sie nie auf die öffentliche Weise, wie es Mozarts Konzertwerke taten; und schon bald nach Mozarts Weggang aus Salzburg geriet auch der Brauch der Epistelsonate außer Gebrauch.[3] Dennoch nimmt K. 336 eine Sonderstellung ein: als letzte der siebzehn und – musikalisch – als jene, die am unverhĂŒlltesten den Organisten und Komponisten bei der Arbeit erkennen lĂ€sst.[2][3]

Heute begegnet man ihr sowohl in historisch informierten liturgischen Rekonstruktionen als auch im Konzertprogramm als funkelnder Miniatur: ein Hinweis darauf, dass Mozarts Salzburger „Pflichtmusik“ im besten Fall eine Kunst der Verdichtung ist – in der wenige Minuten fĂŒr Witz, Drama und echte VirtuositĂ€t genĂŒgen.

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[1] IMSLP work page for Church Sonata No. 17 in C major, K. 336/336d (basic catalogue data; access to editions).

[2] Academy of Ancient Music digital booklet (AAM042) — scholarly liner notes (Cliff Eisen) discussing K. 336 as a “concerto movement in miniature,” its solo organ role, March 1780 date, and its status as Mozart’s last church sonata.

[3] Wikipedia overview article on Mozart’s Church Sonatas (function in the Mass; dating range; scoring table including K. 336 instrumentation and tempo).