K. 696

Kanon in Es-Dur für 3 Soprane und Bass (K. 696)

de Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Kanon in Es-Dur für 3 Soprane und Bass (K. 696) ist ein kompaktes, meisterhaft gearbeitetes Beispiel seiner Wiener Kanonkunst, entstanden 1785–86, als er 29 Jahre alt war. Obwohl der Umfang bescheiden ist, lohnt sich die Beschäftigung damit: Es verbindet geselliges Musizieren mit echter kontrapunktischer Raffinesse.

Hintergrund und Kontext

Mozarts Kanons nehmen in seinem Œuvre eine eigene, unverwechselbare Nische ein: kurze, oft anlassgebundene Stücke für das private Musizieren, und doch nicht selten mit derselben schnellen Intelligenz komponiert, die auch die größeren Werke der Wiener Jahre prägt. Das Köchelverzeichnis führt den Kanon in Es-Dur für 3 Soprane und Bass als K. 696 und datiert ihn auf Wien, 1785–86 – genau jene Zeit, in der Mozart zugleich große öffentliche Statements wie die gefeierten Klavierkonzerte der mittleren 1780er Jahre schuf.[1]

Anders als bei vielen von Mozarts Kanons, deren Nachleben durch spätere Entstellungen, Kontrafakturen oder Fragen der Autorschaft verkompliziert ist, wird K. 696 im Köchel-Verzeichnis des Mozarteums als authentisches, vollständiges und erhaltenes Werk behandelt.[1] Besonders reizvoll ist die Besetzung: drei hohe Stimmen über einer Basslinie (basso) – das deutet nicht nur auf eine in sich geschlossene vokale Textur, sondern auch auf eine flexible Aufführungssituation, in der ein Basssänger (oder ein tiefes Instrument) das imitatorische Geflecht tragen konnte.

Text und Komposition

Das grundlegende Katalogprofil ist in den wesentlichen Punkten ungewöhnlich klar, bleibt aber zu den sozialen Details stumm: Das Werk steht in Es-Dur und ist (zumindest in einer erhaltenen Quelle) als „Abschrift“ (Kopie) überliefert, beschrieben als „Canone a 3 Voci col Basso Continuo, copied from Mozart’s original.”[1] Derselbe Mozarteum-Eintrag gibt die vokale Anlage schlicht als vier Stimmen (V1–V4) an – stimmig mit der geläufigen Beschreibung „für 3 Soprane und Bass“.[1]

Für Ausführende und Herausgeber ist der verantwortungsvollste Ausgangspunkt die Neue Mozart-Ausgabe (NMA), die K. 696 in Serie III, Werkgruppe 10 (Kanons) enthält, herausgegeben von Albert Dunning (1974) und über die Digital Mozart Edition zugänglich.[2] Da Kanons häufig in Abschriften ohne Kontext kursieren (und bisweilen mit später hinzugefügten oder ausgetauschten Texten), ist die Konsultation des Notentexts der NMA samt kritischer Dokumentation der sicherste Weg, um zu klären, was genau überliefert ist – und was editorische Schlussfolgerung bleibt.[3]

Musikalischer Charakter

Auf den ersten Blick verkörpert K. 696 ein Mozart’sches Paradox: „kleine“ Musik, die in „großen“ musikalischen Kategorien denkt. Ein Kanon ist im Prinzip ein strenges Spiel – eine Melodielinie, die von anderen in festen Zeitabständen verfolgt wird –, doch Mozarts beste Kanons lassen diese Disziplin mühelos wirken, ja geradezu gesellig. In K. 696 hilft die helle, ausgewogene Klanglichkeit von Es-Dur (einer Tonart, die Mozart oft für Wärme und Weite einsetzt), den Kontrapunkt eher als gesellig denn als scholastisch erscheinen zu lassen.

Stimmen und Satz (praktische Hörhilfe):

  • Oberstimmen (3 Soprane): Die imitierenden Einsätze verleihen dem Kanon seinen Glanz; man kann verfolgen, wie dieselbe Idee nacheinander jeweils neu „gerahmt“ wird, wenn sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten erscheint.
  • Bass (und implizierter *basso continuo*): Die Bassstimme erdet die Harmonik und macht Kadenzen deutlich, wodurch das Stück erfreulich gut aufführbar bleibt – selbst dann, wenn die Oberstimmen eng ineinander verzahnt sind.[1]

Was K. 696 letztlich empfiehlt, ist nicht Neuheit, sondern Verfeinerung: Es zeigt, wie Mozart kontrapunktisches Denken in eine Miniatur verdichten konnte, die sich dennoch wie ein echtes musikalisches Gespräch anfühlt. Im Kontext der bekannteren Kanons erweitert es das Bild von Mozarts Wiener vokalen Miniaturen – nicht als bloße Scherze oder pädagogische Übungen, sondern als lebendiger Teil seiner kompositorischen Praxis, in der Handwerk und Geselligkeit auf der kleinstmöglichen Leinwand zusammenfinden.[1]

[1] International Mozarteum Foundation, Köchel-Verzeichnis entry for KV 696 (dating, key, status, transmission, source description, instrumentation).

[2] Digital Mozart Edition (DME), NMA III/10 *Kanons* (Albert Dunning, 1974) — table of contents showing K. 696 within the NMA canon volume.

[3] Digital Mozart Edition (DME), *Kritischer Bericht* (Critical Report) for NMA III/10 *Kanons* (context for editorial/source issues in the canon volume).