Hornquintett in Es-Dur, K. 407 (1782)
di Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Hornquintett in Es-Dur, K. 407 (1782) ist ein knappes, aber erstaunlich einfallsreiches Kammermusikwerk aus seinem ersten Wiener Jahr – teils Konzertstück, teils intime Unterhaltung. Geschrieben für Naturhorn und ein ungewöhnlich dunkel timbriertes Streichquartett (mit zwei Bratschen), zeigt es den 26-jährigen Mozart, der das Horn nicht als bloßes Kolorierungsinstrument behandelt, sondern als lyrischen Protagonisten.
Hintergrund und Kontext
Als Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) sich 1781–82 in Wien niederließ, begann er rasch, eine freiberufliche Karriere aufzubauen, die von den Musikern in seinem Umfeld abhing: Virtuosen, die Mäzene anziehen, Eintrittskarten verkaufen und – im Idealfall – seine Musik gut spielen konnten. Das Hornquintett in Es-Dur, K. 407 gehört zu diesem Moment der Selbstverortung. Die Tonart Es-Dur, seit Langem mit den Naturtönen des Horns und mit zeremonieller Brillanz verbunden, entspricht sowohl der natürlichen Resonanz des Instruments als auch Mozarts Vorliebe für warme, weiträumige Klanglichkeiten.
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Obwohl das Horn in Ensembles häufig als harmonische Stütze oder für jagdartige Signale zu hören ist, erhält es bei Mozart echte kammermusikalische Eigenständigkeit. Kommentatoren haben oft bemerkt, dass die Ecksätze „concertante“ wirken können – als wäre ein Hornkonzert in ein salonfähiges Format eingedampft –, doch die Satztechnik kehrt immer wieder zur wirklichen Zwiesprache zurück: Die Streicher begleiten nicht bloß, sondern greifen ordnend in das musikalische Argument ein. So entsteht Musik, die reizvoll zwischen Gattungen steht: intim genug für häusliches Musizieren, zugleich extrovertiert genug, um wie ein öffentliches Vorzeigestück im Miniaturformat zu wirken [1].
Komposition und Widmung
Das Quintett wurde 1782 in Wien komponiert (oft in die letzten Monate des Jahres datiert) [1]. Mozart hatte dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Hornvirtuosen im Sinn – sein Freund Joseph (Ignaz) Leutgeb gilt in der modernen Diskussion meist als naheliegender Kandidat –, doch ein eindeutiger Widmungsträger ist nicht so gesichert dokumentiert wie bei manchen anderen Gelegenheitswerken Mozarts. Unzweifelhaft ist hingegen Mozarts idiomatisches Verständnis des Naturhorns: Die Passagen liegen in der bequemen Lage des Instruments, nutzen klingende offene Töne aus und vermeiden die Voraussetzung einer späteren, ventilbedingten chromatischen Beweglichkeit.
Besetzung (wie in gängigen Ausgaben und Referenzkatalogen überliefert):
- Blech: Naturhorn
- Streicher: Violine, 2 Bratschen, Violoncello [2]
Die Besetzung ist selbst ein leiser Charakterzug. Statt eines konventionellen Streichquartetts (zwei Violinen, Bratsche, Violoncello) ersetzt Mozart die zweite Violine durch eine zweite Bratsche – und schafft damit eine „tiefere“, stärker verschmolzene Mittellage, vor der das Horn glänzen kann, ohne dauerhaft mit hellem Diskant konkurrieren zu müssen. (Damit nimmt er auch jene Klanglichkeit vorweg, die Mozart später in seinen eigenen Streichquintetten bevorzugen sollte, in denen zwei Bratschen die Binnenstruktur anreichern.)
Form und musikalischer Charakter
Das Werk hat drei Sätze [3]:
- I. Allegro
- II. Andante
- III. Rondo (Allegro)
I. Allegro
Das eröffnende Allegro etabliert rasch die Doppelnatur des Quintetts: Es kann wie ein Konzertstück ausgreifen, denkt aber kammermusikalisch. Mozart lässt das Horn gern in selbstbewussten, klar konturierten Aussagen auftreten – Töne, die eine freiluftige Noblesse ausstrahlen –, während die Streicher sowohl den Antrieb liefern als auch ein feiner gekörntes harmonisches Helldunkel. Besonders aufschlussreich ist Mozarts Umgang mit der Textur: Das Ensemble kann wie „Horn plus Streichquartett“ wirken, zerfällt jedoch immer wieder in kleinere Gesprächskonstellationen (Horn mit Violine, Horn mit Bratsche, Streicher allein), sodass keine einzige Begleitformel die Oberhand gewinnt.
II. Andante
Das Andante ist das emotionale Zentrum: ein Satz, der die Fähigkeit des Horns zum getragenen cantabile hervorhebt, statt sich auf Fanfarenwirkung zu beschränken. Hier zahlt sich Mozarts Entscheidung für eine relativ dunkle Streicherfarbe aus; das Horn kann warm singen, ohne zum Rufen gezwungen zu sein. Oft wirkt der Satz wie ein Duett, das zufällig von sanfter, polsternder Harmonik umgeben ist – ein Eindruck, der mit der verbreiteten kritischen Wahrnehmung übereinstimmt, das Andante sei für Hornsatz seiner Zeit ungewöhnlich nach innen gewandt.
III. Rondo (Allegro)
Das Finale kehrt zu Helligkeit und Spiel zurück. Ein Rondo lädt das Horn ein, mit einem einprägsamen Refrain immer wieder aufzutreten, und Mozart nutzt diese Anlage, um die „öffentliche“ Persona des Instruments zu dramatisieren – heiter, klingend und theatralisch präzise gesetzt –, während er zugleich Episoden einstreut, in denen die Streicher kurzzeitig in den Vordergrund rücken. Wenn der erste Satz an ein im Maßstab verkleinertes Konzert erinnert, deutet das Finale die Gegenbewegung an: Kammermusik, belebt durch das Gespür eines Solisten für den besonderen Anlass.
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Rezeption und Nachwirkung
Das Hornquintett, K. 407 hat nie die allgemeine Namensbekanntheit von Mozarts reifen Streichquartetten oder den späteren Klarinettenwerken erreicht, ist jedoch im Hornrepertoire beständig präsent geblieben – als seltenes Kammermusikwerk der Klassik, das das Instrument zugleich als Held und Partner behandelt. Sein besonderer Wert liegt darin, dass es das Horn – ein Instrument, das noch an die Begrenzungen (und die Poesie) der Naturtonreihe gebunden ist – in eine verfeinerte Indoor-Gattung neu einpasst.
Innerhalb von Mozarts Œuvre beleuchtet das Quintett zudem eine breitere Wiener Beschäftigung: für Freunde und Spezialisten zu schreiben und mit Hybridformen zu experimentieren, die die öffentliche Konzert-Rhetorik und die private kammermusikalische Intimität ineinander überblenden. Gerade deshalb verdient es heute Aufmerksamkeit: weil es weder ein „kleines Konzert“ noch ein „Stück für Streicher mit Horn“ ist, sondern ein souveräner Essay Mozart’scher Balance, in dem Brillanz durch Textur, Register und Gespräch entsteht – nicht durch bloße Lautstärke oder Zurschaustellung.
Spartito
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[1] Mozarteum Digital Mozart Edition (New Mozart Edition/NMA), VIII/19/2: editor’s English preface discussing the period and dating context for the Horn Quintet.
[2] IMSLP work page for *Horn Quintet in E-flat major, K. 407/386c* (instrumentation and basic catalog data).
[3] Wikipedia overview page for Mozart’s *Horn Quintet* (movement listing and general reference facts; used cautiously).








