K. 213

Divertimento Nr. 8 in F-Dur, K. 213

von Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Divertimento Nr. 8 in F-Dur (K. 213) ist ein kompaktes, viersĂ€tziges Werk fĂŒr ein BlĂ€sersextett, entstanden im Juli 1775 in Salzburg, als der Komponist 19 Jahre alt war. Oft als funktionale Harmoniemusik (BlĂ€ser-„Tafelmusik“) abgelegt, lohnt es eine genauere Betrachtung: fĂŒr seinen souverĂ€nen Umgang mit der Klangpalette von sechs Spielern und fĂŒr die gewandte Verbindung von konzertantem Glanz mit einer wirklich souverĂ€n gestalteten langsamen Satzanlage.

Hintergrund und Kontext

Im Salzburg der mittleren 1770er-Jahre schrieb Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) fĂŒr das Musikleben eines kleinen, aber anspruchsvollen Hofes—Musik, die praktisch sein musste, sofort spielbar und gesellschaftlich „nĂŒtzlich“. BlĂ€serensembles (Harmoniemusik) waren besonders geschĂ€tzt als Musik bei Tisch (Tafelmusik) in InnenrĂ€umen und fĂŒr Unterhaltung im Freien, weil ihr Klang gut trĂ€gt und die Besetzung je nach Ort und Anlass flexibel einsetzbar ist. Das Köchel-Portal der Internationalen Stiftung Mozarteum ordnet solche BlĂ€sermusik ausdrĂŒcklich sowohl als Hintergrund- wie als Festmusik ein, mit Salzburger AuffĂŒhrungskontexten von Mahlzeiten bis zu Namenstagsfeiern.[1]

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K. 213 steht am Beginn einer kleinen Salzburger Gruppe von fĂŒnf Divertimenti fĂŒr dieselbe Sextettbesetzung (K. 213, 240, 252/240a, 253, 270). Eine hilfreiche moderne Zusammenfassung von Chronologie und mutmaßlicher Funktion findet sich im Henle-Vorwort: Leopold Mozarts Datierungen der Autographe verorten den Zyklus zwischen Juli 1775 und Januar 1777; als naheliegendes Ziel solcher StĂŒcke werden die höfischen VerwendungszusammenhĂ€nge der Harmoniemusik—insbesondere die Tafelmusik—hervorgehoben.[2]

Entstehung und UrauffĂŒhrung

Die Datierung ist fĂŒr eine „kleine“ Mozart-Partitur ungewöhnlich gesichert. Der Eintrag im Köchel-Verzeichnis des Mozarteums nennt Salzburg als Kompositionsort und datiert das Werk auf Juli 1775; zudem wird vermerkt, dass ein Autograph erhalten ist.[1] Auch die Übersichten des Köchel-Katalogs fĂŒhren K. 213 im Juli 1775 (Mozart war 19) und stellen es damit in einen außerordentlich arbeitsreichen Salzburger Sommer, in dem auch mehrere große Violinkonzerte und Serenadenprojekte entstanden.[3]

Eine konkrete ErstauffĂŒhrung ist nicht dokumentiert, wie es etwa bei einer Opernpremiere der Fall wĂ€re—und genau das ist Teil des Konzepts: K. 213 gehört zu einem Repertoire, das auf Zirkulation angelegt war, also bei Bedarf von versierten HofblĂ€sern gespielt werden konnte. Das Henle-Vorwort betont, dass fĂŒr diese fĂŒnf BlĂ€serdivertimenti „kein Anlass der Komposition ĂŒberliefert“ sei, macht aber zugleich deutlich, wie selbstverstĂ€ndlich solche Werke zur nachweisbaren Salzburger Sechserbesetzung passten.[2]

Besetzung

K. 213 ist fĂŒr ein klassisches Salzburger BlĂ€sersextett geschrieben—drei Paarfarben, die sich wie ein Miniaturorchester verhalten können.

  • HolzblĂ€ser: 2 Oboen, 2 Fagotte
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner

Diese Besetzung wird sowohl durch den Werkartikel des Mozarteums als auch durch den IMSLP-Katalogeintrag bestÀtigt (der zudem Satzfolge und Tonart angibt).[1][4]

Das Charakteristische dieses Ensembles liegt in seiner eingebauten „Chor“-Logik: Oboen tragen von Natur aus ein melodisches Profil; Fagotte können zwischen Bassfundament und witzigem Tenor-Gegenpart wechseln; Hörner liefern harmonische Pfeiler, rhythmische Akzente und—wenn Mozart es will—jenen Hauch von Freiluft-Glanz, der aus schlichten Kadenzen etwas zeremoniell Nachklingendes macht.

Form und musikalischer Charakter

IMSLP ĂŒberliefert die vier SatzĂŒberschriften, die K. 213s elegante, auf Unterhaltung zielende Architektur umreißen:[4]

  • I. Allegro spiritoso
  • II. Andante
  • III. Menuetto
  • IV. Contredanse en Rondeau

I. Allegro spiritoso

Das eröffnende Allegro zeigt sofort, warum K. 213 mehr verdient als den Status bloßer Hintergrundmusik. Die Satztechnik behandelt das Sextett als wendiges Konversationsinstrument statt als akkordische „BlĂ€serbande“. Mozart verteilt motivische Partikel auf die gepaarten Instrumente, sodass Melodie, Begleitfiguren und kadenzierende Pointen rasch zirkulieren—ein Verfahren, das bereits auf die ausgefeilteren Wiener BlĂ€serserenaden vorausweist, auch wenn der Maßstab hier bewusst bescheiden bleibt.

II. Andante

Der langsame Satz ist das still ĂŒberzeugendste Argument dafĂŒr, K. 213 als Kammermusik zu hören und nicht als reine Gebrauchsmusik. Mit nur sechs Spielern ist Balance gnadenlos; Mozart reagiert mit transparenter Anlage, die jede Linie hörbar werden lĂ€sst. Die Oboen können singen, ohne zu beschweren, wĂ€hrend die Fagotte—so oft auf bloße BassverstĂ€rkung reduziert—so gefĂŒhrt sind, dass sie Innenstimmen fĂ€rben und harmonische Wendungen abmildern. In der AuffĂŒhrung wirkt der Satz hĂ€ufig wie eine Lektion in klassischem cantabile (gesanglichem) BlĂ€serphrasieren: weit atmend, geformt und nie aufdringlich.

III. Menuetto

Ein Salzburger Menuetto in BlĂ€serbesetzung ist nie nur ein Tanzplatzhalter: Es ist ein gesellschaftliches Zeichen. Hier verleiht die PrĂ€senz der Hörner—mehr gespĂŒrt als bloß gehört—einen öffentlichen, leicht zeremoniellen Schimmer, wĂ€hrend die gepaarten HolzblĂ€ser mit ihrer flinken Artikulation den Tanz in der Schwebe halten. Das Trio (wie ĂŒblich) lĂ€dt zu intimerer FĂ€rbung und leichterer Konversationsstruktur ein und erinnert daran, dass diese BlĂ€sermusik sowohl Glanz als auch Feinheit beherrscht.

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IV. Contredanse en Rondeau

Der Finaltitel ist aufschlussreich: Eine contredanse ist ein gemeinschaftlicher Tanztyp, und rondeau signalisiert wiederkehrende Refrains. Mozart schließt daher nicht mit symphonischer Argumentation, sondern mit geselliger Anlage—immer wieder ein „Nach-Hause-Kommen“, jedes Mal belebt durch kontrastierende Episoden. Der Satz ĂŒbersetzt gewissermaßen die Salzburger Drinnen-und-draußen-NĂŒtzlichkeit der BlĂ€sermusik in Form: einprĂ€gsame Wiederkehr (fĂŒr beilĂ€ufige Hörer) plus genĂŒgend Abwechslung (fĂŒr aufmerksame).

Rezeption und Nachwirkung

K. 213 und die verwandten Sextette sind bisweilen unterschĂ€tzt worden—gerade weil sie wie „Tafelmusik“ wirken. Die heutige wissenschaftliche Einordnung ist jedoch nuancierter: Das Henle-Vorwort verortet die Werke in der breiteren Tradition der Harmoniemusik—eines wichtigen höfischen Genres, dessen Funktionen vom Speisen ĂŒber FreiluftanlĂ€sse bis hin zur konzertanten Darbietung nach dem Essen reichten.[2]

Heute nimmt K. 213 einen wertvollen Platz in Mozarts BlĂ€serwerk ein. Es zeigt ihn—noch in Salzburg, noch an örtliche Möglichkeiten gebunden—mit einem Instinkt fĂŒr Klangfarbe und instrumentale Rhetorik, der spĂ€ter in den großen Wiener BlĂ€serserenaden aufblĂŒhen wird. FĂŒr AusfĂŒhrende ist es ein Repertoire-Grundstein fĂŒr das 2-2-2-Sextett (Oboen, Hörner, Fagotte); fĂŒr Hörer bietet es Mozart in einer weniger monumentalen, aber höchst charakteristischen Haltung: souverĂ€n, gesellig und voller prĂ€ziser, ökonomischer EinfĂ€lle.[1][4]

[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for KV 213 (dating July 1775; Salzburg; instrumentation; autograph and early print details).

[2] G. Henle Verlag preface (PDF) discussing the five Divertimenti K. 213, 240, 252/240a, 253, 270: dating from Leopold Mozart’s autograph notes; Salzburg context; Harmoniemusik functions including Tafelmusik.

[3] Wikipedia: Köchel catalogue table entry listing K. 213 as Divertimento No. 8 in F, July 1775 (contextual catalog reference).

[4] IMSLP work page for Divertimento in F major, K. 213: key, year, instrumentation, and movement list (Allegro spiritoso; Andante; Menuetto; Contredanse en Rondeau).