K. 251

Divertimento Nr. 11 in D-Dur, K. 251 („Nannerl-Sextett“?)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Divertimento Nr. 11 in D-Dur, K. 251 (1776) ist ein Salzburger Werk für Oboe, Hörner und Streicher, das das höfische „Freiluft“-Divertimento in etwas Pointierteres, Charaktervolleres verwandelt. Entstanden im Alter von 20 Jahren, verbindet es sinfonischen Anspruch mit der geselligen Leichtigkeit einer Serenade – besonders in seinem erfinderischen Paar von Menuetten und in seinem unerwartet ausdrucksstarken langsamen Satz.

Hintergrund und Kontext

In Salzburg war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) Mitte der 1770er Jahre am Hof des Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo angestellt und schrieb Musik, die sowohl repräsentativen als auch unterhaltenden Zwecken dienen konnte. In diesem Milieu waren Divertimento und Serenade weniger „Nebenformen“ als vielmehr flexible gesellschaftliche Instrumente: Musik für Namenstagsfeiern, Dinners und abendliche Festlichkeiten, oft ausgeführt von gemischten Bläser-und-Streicher-Besetzungen, wie sie die lokalen Möglichkeiten hergaben.[1]

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K. 251 steht in dieser Salzburger Tradition, verdient aber gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil es mehr ist als bloß angenehme Begleitmusik. Mozart komponiert mit Sinn für Kontraste – Bläserglanz gegen Streicherwärme, rustikale Tanzgesten gegen überraschend „gelehrte“ Form – und behandelt ein kleines Ensemble, als wäre es zu wirklich öffentlicher, sinfonischer Rhetorik fähig. So entsteht ein Werk, das als leichte Musik bezaubern kann und zugleich konzentriertes Hören belohnt.

Entstehung und Uraufführung

Das Divertimento in D-Dur, K. 251 entstand im Juli 1776 in Salzburg.[1] Der genaue Anlass ist in modernen Überblicksdarstellungen nicht endgültig geklärt, doch seit Langem wird das Stück mit Feierlichkeiten zu Ehren von Mozarts Schwester Maria Anna („Nannerl“) in Verbindung gebracht – entweder mit ihrem Namenstag (26. Juli) oder ihrem Geburtstag (30. Juli). Diese Zuschreibung hat den bis heute gebräuchlichen Beinamen „Nannerl Septet“ befördert.[1]

Wie bei vielen Salzburger Divertimenti ist eine konkrete Erstaufführung in den öffentlich zugänglichen Quellen nicht sicher dokumentiert. Klar ist anhand der Besetzung, dass Mozart hervorragende Bläser (vor allem für das Horn) und ein zuverlässiges Streicherfundament zur Verfügung standen – Bedingungen, die ihn zu einem Stück ermutigten, dessen gesellige Oberfläche von echter kompositorischer Substanz getragen ist.

Besetzung

Mozart schreibt K. 251 für ein kompaktes, klangfarbenreiches Septett:[1][2])

  • Holzbläser: Oboe
  • Blechbläser: 2 Hörner
  • Streicher: 2 Violinen, Viola, Kontrabass

Zwei Details sind entscheidend dafür, wie das Stück „spricht“. Erstens ist die Oboe keineswegs nur dekorativ; sie trägt häufig melodische und verzierende Aufgaben und tritt als eine Art Quasi-Solistin hervor. Zweitens verleiht der Kontrabass (statt einer Cellostimme als eigentlicher Basslinie) dem Ensemble ein federndes Fundament und schärft den serenadenhaften Charakter – besonders in Passagen, in denen der Bass Tanzrhythmen mit prägnanter, leicht perkussiver Kontur artikuliert.[1]

Form und musikalischer Charakter

K. 251 umfasst sechs Sätze – ein Umfang, der für das Salzburger Divertimento typisch ist und Mozart dennoch Raum für innere Dramaturgie und Überraschungen lässt:[1]

  • I. Molto allegro (D-Dur)
  • II. Menuetto (D-Dur)
  • III. Andantino (A-Dur)
  • IV. Menuetto (Tema con variazioni) (D-Dur)
  • V. Rondo (Allegro assai) (D-Dur)
  • VI. Marcia alla francese (D-Dur)

I. Molto allegro

Gleich zu Beginn wird deutlich: Dies ist keine bloße Hintergrundmusik. Mozart nutzt eine monothematische Sonatenhauptsatz-Strategie: Statt in der Dominante (A-Dur) ein klar abgesetztes zweites Thema zu präsentieren, formt er den Hauptgedanken so um, dass er auffällig A-Moll streift – ein expressiver Schatten, der die sonnige D-Dur-Fassade kurzzeitig verdunkelt.[1] Die Wirkung ist subtil, aber bezeichnend: Selbst im Unterhaltungsgestus kann Mozart nicht widerstehen, dem Hörer eine dramatischere harmonische Erzählung mitzugeben.

II. Menuetto

Das erste Menuetto strahlt öffentliche, „draußen“ verankerte Selbstgewissheit aus – Hornrufe und ein solides Streicherfundament rahmen den höfischen Tanz. Im Trio reduziert Mozart die Textur auf Streicher allein, ein klangliches „Indoor“-Gegenbild, das beinahe wie ein Lichtwechsel wirkt: Plötzlich rückt die Musik näher, wird privater, kammermusikalischer.[1]

III. Andantino

In A-Dur gehalten, bietet das Andantino die lyrischste Passage des Werks. In moderner Kommentierung wird seine Form als rondoartig beschrieben – und man hört, weshalb: Wiederkehrendes Material gibt dem Satz ein sanftes Gefühl des Zurückkehrens, als kreise die Musik um einen vertrauten Gedanken, statt nach vorn zu drängen.[1] Die kantable Oboenlinie – von diskreten Streichern gestützt – kann im Profil fast opernhaft wirken: ein frühes Zeichen dafür, wie Mozarts melodische Fantasie dazu neigt, „funktionale“ langsame Sätze in kleine Szenen zu verwandeln.

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IV. Menuetto (Tema con variazioni)

Dieser Satz gehört zu den markantesten Einfällen von K. 251: ein Menuett, verschmolzen mit Variationstechnik. Mozart behandelt das Menuettthema als Refrain; die Trio-Funktion übernehmen aufeinanderfolgende Variationen, die jeweils andere Spieler ins Licht rücken.[1] Bemerkenswert: Die erste Variation stellt die Oboe heraus, die zweite wendet sich der Solovioline zu, und in den Variationen schweigen die Hörner – eine kluge Entscheidung, die die Klangfarbe ausdünnt und den Fokus auf melodische Filigranarbeit und die Artikulation der Streicher schärft.[1]

V. Rondo (Allegro assai)

Das eigentliche Finale ist ein energisches Rondo, dessen wiederkehrender Refrain die Musik in Bewegung hält und sie ideal für geselliges Musizieren macht. Die Satztechnik wechselt zwischen Brillanz (Oboe und Hörner nach außen projizierend) und feineren, von den Streichern geführten Episoden – abwechslungsreich, ohne den Schwung einzubüßen.[1]

VI. Marcia alla francese

Die abschließende Marcia alla francese setzt einen zeremoniellen Akzent. In der Salzburger Divertimento-Praxis kann ein Marsch als praktischer und theatralischer „Rahmen“ dienen – Musik für Ein- und Auszug oder für Prozessionsbewegung. Am Schluss platziert, hinterlässt er eine eindeutig öffentliche Geste, als kehre die Unterhaltung am Ende in die Welt des formellen Anlasses zurück.[1]

Rezeption und Nachwirkung

K. 251 ist nicht so allgegenwärtig wie Mozarts spätere Wiener Serenaden, hat aber für Ausführende stets seinen Reiz behalten, weil es einen idealen Punkt trifft: bescheidene Mittel, lebendige Bläserfarben und genügend strukturelles Gewicht, um eine ganze Konzerthälfte zu tragen. Der Sechssatz-Plan – insbesondere das fantasievolle Variations-Menuett – zeigt, wie Mozart die Salzburger Divertimento-Konventionen von innen her erweitert und ein mit Geselligkeit assoziiertes Genre in ein kleines Labor für Form, Instrumentalfarbe und Charakter verwandelt.

Für heutige Hörer bietet das Werk ein besonders klares Fenster auf den 20-jährigen Mozart: bereits zu sinfonischem Denken fähig, bereits empfindsam für Timbre und Kontrast und bereits nicht bereit, „Gelegenheitsmusik“ routiniert abzutun. Kurz: Das Divertimento Nr. 11 in D-Dur, K. 251 lohnt sich nicht trotz seiner Unterhaltungsherkunft, sondern weil Mozart diese Herkunft als Einladung zur Erfindung begreift.

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[1] Wikipedia: overview, date (July 1776, Salzburg), possible occasion (Nannerl name day/birthday), instrumentation, and movement list with analytic remarks.

[2] IMSLP work page: instrumentation and edition/score access for Divertimento in D major, K. 251.