K. 479

„Dite almeno, in che mancai“ (K. 479) — Quartett aus *La villanella rapita* (1785)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Quartett „Dite almeno, in che mancai“ (Es-Dur, K. 479) entstand in Wien am 5. November 1785 als eingeschobenes Ensemble fĂŒr eine AuffĂŒhrung von Francesco Bianchis La villanella rapita am Burgtheater. FĂŒr Sopran, Tenor und zwei BĂ€sse mit Orchester geschrieben, zeigt es Mozarts charakteristische FĂ€higkeit, eine funktionale BĂŒhnen-Nummer in prĂ€gnant konturiertes Drama und leuchtende konzertante Klangtextur zu verwandeln.

Hintergrund und Kontext

1785 – Mozarts erstes volles Jahr als freischaffender Komponist in Wien – schrieb er zugleich bedeutende Konzertwerke und ĂŒbernahm pragmatische AuftrĂ€ge fĂŒrs Theater. „Dite almeno, in che mancai“ (K. 479) gehört zur zweiten Kategorie: ein hinzugefĂŒgtes Quartett fĂŒr Bianchis La villanella rapita in der Wiener Fassung am Burgtheater, fĂŒr die Mozart auch das Trio „Mandina amabile“ (K. 480) beisteuerte. Das Köchel-Verzeichnis datiert das Quartett auf den 5. November 1785 und setzt die erste AuffĂŒhrung spĂ€ter im selben Monat am Burgtheater an (25. November 1785). [1]

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Solche Einlagen waren ein Standardmerkmal des Opernbetriebs im spĂ€ten 18. Jahrhundert: StarsĂ€nger erwarteten maßgeschneiderte StĂŒcke, die eine vorhandene Partitur auffrischen und dem Abend einen neuen Mittelpunkt geben konnten. In diesem Fall ist die Wiener Besetzung in der modernen Katalogisierung ĂŒberliefert: Mandina (Sopran), Il Conte (Tenor), Pippo (Bass) und Biaggio (Bass). [1] Auch wenn sie nicht als „eigenstĂ€ndiges“ Repertoire gedacht waren, dokumentieren diese Gelegenheitswerke Mozarts engen Kontakt zur italienischen Opernszene der Stadt und seine SouverĂ€nitĂ€t in deren dramaturgischer Grammatik.

Text und Komposition

Der Text stammt von Giovanni Bertati, dem Librettisten der Oper, und ist zusammen mit Mozarts vollstĂ€ndiger PartiturĂŒberlieferung erhalten. [1] (Der Titel ist auch in einer Variantenform ĂŒberliefert, „Dite almeno in che maniera“, was die fĂŒr Einlagen typische flexible Zirkulation widerspiegelt.) [1]

Die Besetzung ist fĂŒr eine „bloße“ Einlage ungewöhnlich reich: Neben den Streichern schreibt Mozart je zwei Oboen, Klarinetten (in B), Fagotte und Hörner (in Es) vor. [1] Die Quellenlage ist gut: Das Autograph ist erhalten, und frĂŒhe Abschriften ebenso wie Drucke des frĂŒhen 19. Jahrhunderts (darunter Breitkopf & HĂ€rtel) zeigen, dass die Nummer auch ĂŒber ihren ursprĂŒnglichen BĂŒhnenkontext hinaus praktischen Wert behielt. [1] Die Partitur ist heute ĂŒber gemeinfreie Scans weithin zugĂ€nglich. [2]

Musikalischer Charakter

Als Opernensemble lohnt K. 479 gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil es nicht „monumental“ ist: Es verdichtet Charakterzeichnung und Konflikt in einem einzigen, straff organisierten Satz. Die Vierstimmigkeit (Sopran–Tenor–Bass–Bass) ermöglicht es Mozart, sozialen Druck klanglich zu inszenieren – die hohen Stimmen mit Dringlichkeit und Glanz, die tiefen Stimmen mit Gewicht, Widerstand oder, je nach dramatischer Situation, mit grob-komischer Kommentierung.

Die Orchestrierung ist ein zentrales koloristisches Pfund. Klarinetten und Hörner in der Grundtonart Es-Dur können selbst in Momenten der Erregung WĂ€rme und Weite verleihen, wĂ€hrend die Fagotte die beiden Basslinien auf natĂŒrliche Weise stĂŒtzen, ohne sie bloß zu verdoppeln. [1] In den besten Mozart-Ensembles ist vokaler Kontrapunkt nie „akademisch“: Er ist dramatische Gleichzeitigkeit – mehrere Perspektiven, die man zugleich hört. Diese Kunst ist hier bereits unverkennbar; sie macht das Quartett zu einer Miniaturstudie des Wiener Opernstils, den Mozart in Le nozze di Figaro (1786) und Don Giovanni (1787) bald vertiefen sollte.

Insgesamt verdient „Dite almeno, in che mancai“ einen Platz im Hören und im Studium als Beleg fĂŒr Mozarts Theaterinstinkt im Alter von 29 Jahren: Selbst wenn er im Auftrag eine Einlage fĂŒr die Oper eines anderen Komponisten schreibt, komponiert er mit einer strukturellen Klarheit und einem GespĂŒr fĂŒr konzertanten Dialog, die diese Nummer unabwendbar wirken lassen – nicht bloß zweckmĂ€ĂŸig.

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[1] Köchel Verzeichnis (Mozarteum) entry for K. 479: dating, key, first performance, cast, instrumentation, and source/print transmission.

[2] IMSLP work page for “Dite almeno, in che mancai,” K. 479: public-domain scores and basic metadata (key, forces, duration).