K. 524

„An Chloe“ (K. 524): Mozarts Wiener Lied in Es-Dur

von Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Lied An Chloe (K. 524) ist ein knappes, sinnliches deutsches Kunstlied für Solostimme und Tasteninstrument, komponiert in Wien am 24. Juni 1787. In kaum wenigen Minuten zeigt es Mozart (31-jährig), wie er ein strophisches Liebesgedicht mit beinahe opernhafter Aufmerksamkeit für Sprachfärbung, Tempoempfinden und erotischen Witz behandelt – ein Grund, warum es bei Sängerinnen, Sängern sowie Pianistinnen und Pianisten bis heute zu den Favoriten zählt.

Hintergrund und Kontext

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) komponierte An Chloe (K. 524) am 24. Juni 1787 in Wien – in einer Zeit, in der sich sein schöpferisches Leben zwischen öffentlichen Theaterambitionen und einem kontinuierlichen Strom „kleinerer“ Werke für das Musizieren im privaten Kreis aufteilte. Das Datum ist aufschlussreich: Dies ist der Mozart von Don Giovanni (später im selben Jahr in Prag uraufgeführt) und der reifen Klavierkonzerte – und doch konnte er sich an einem einzigen Tag der intimen Besetzung von Stimme und Tasteninstrument zuwenden, ohne dass seine Erfindungskraft im Geringsten nachließ [1].[2]

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Mozarts deutsche Lieder nehmen in seinem Œuvre eine besondere Stellung ein. Sie sind nicht das dominierende Medium, das sie bei Schubert und im 19. Jahrhundert werden sollten; in den 1780er Jahren jedoch standen sie an der Schnittstelle von Salonkultur, literarischem Geschmack und der Vokalsprache von Singspiel und italienischer Oper. An Chloe wird heute oft gerade deshalb aufgeführt, weil es „größer“ wirkt als seine Mittel: Es spricht mit der Unmittelbarkeit einer Bühnenszene und bleibt doch für den privaten Raum geeignet.

Text und Komposition

Der Text stammt von Johann Georg Jacobi (1740–1814), einem der meistgelesenen deutschen Dichter seiner Zeit, und gehört zu jener kokett-klassizistischen Welt, die der Name „Chloe“ aufruft (entlehnt der pastoralen, an der Antike inspirierten Dichtung) [3]. Mozart vertont das Gedicht für Solostimme und Tasteninstrument (Clavier/Fortepiano), in Es-Dur [1].

Obwohl das Gedicht strophisch angelegt ist, fällt Mozarts Reaktion darauf bemerkenswert flexibel aus. Statt jede Strophe als neutrales Wiederholen zu behandeln, formt er die Melodielinie und die Figuration des Tasteninstruments nach der wechselnden „Temperatur“ des Textes – besonders dort, wo Jacobis Sprache von bewundernder Beschreibung zu körperlicher Nähe übergeht. Für Hörerinnen und Hörer, die von späteren „durchkomponierten“ Liedern her kommen, ist das ein wichtiger Punkt: Mozart kann im liedhaften Rahmen bleiben und dennoch ein Gefühl von Drama im Detail erzeugen.

Musikalischer Charakter

Im Gesamteindruck ist An Chloe anmutig und klar – Es-Dur als warmer, kultivierter Tonraum – und doch liegt sein Ausdruckszentrum im elektrisierten Wechselspiel zwischen vokablem Cantabile und der beschleunigten Bewegung im Klavierpart. Die Begleitung „stützt“ die Sängerin oder den Sänger nicht bloß; sie deutet die körperliche Unmittelbarkeit des Gedichts durch federnde rhythmische Artikulation und einen anhaltenden Zug nach vorn an.

Was das Lied innerhalb von Mozarts Liedschaffen unverwechselbar macht, ist seine stilistische Doppelbödigkeit. Einerseits ist es in Umfang und Direktheit ein echtes deutsches Lied; andererseits verhält sich die Vokallinie häufig wie eine Miniatur-Opernarie: Die Phrasen „atmen“ im theatralischen Timing, und die Melodie scheint Gestus und Blick vorwegzunehmen. Genau deshalb verdient An Chloe Aufmerksamkeit neben bekannteren zeitgenössischen Werken. Es zeigt Mozart, wie er die kommunikative Kraft der Oper – Verführung, Spiel und Zärtlichkeit – in den kleinsten Rahmen presst, wobei das Tasteninstrument als ebenbürtiger Partner und nicht als diskreter Hintergrund wirkt [1].[3].

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[1] International Mozarteum Foundation, Köchel-Verzeichnis entry for KV 524 (composition date, place, scoring).

[2] IMSLP work page: An Chloe, K.524 (basic work data; composition date and place as commonly transmitted).

[3] Wikipedia overview: An Chloe (K. 524), including poet attribution (Johann Georg Jacobi) and general description.