âAls Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannteâ (K. 520): Mozarts c-Moll-Lied von verbrannten Briefen
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Lied Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte (K. 520) ist ein knappes, aber von geradezu unerbittlicher Ausdruckskraft getragenes StĂŒck fĂŒr Solostimme und Klavier, datiert auf Wien, den 26. Mai 1787.[1] In c-Moll entstanden, als der Komponist 31 Jahre alt war, ragt es in seinem spĂ€ten Liedschaffen dadurch hervor, dass es ein Genre im Salonformat in eine dramatische Miniaturszene verwandelt.
Hintergrund und Kontext
Mozarts deutsche Lieder (Lieder) nehmen in seinem Ćuvre einen besonderen Platz ein: zahlenmĂ€Ăig weit hinter den Opernszenen zurĂŒckstehend, aber oft verblĂŒffend in ihrer Verdichtung von Charakter. Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte (K. 520) gehört zu dieser reifen Gruppe und ist zuverlĂ€ssig auf Wien, 26. Mai 1787 datiert.[1] Die Datierung ist aufschlussreich. Im spĂ€ten FrĂŒhjahr 1787 trat Mozart in die Welt von Don Giovanni ein (uraufgefĂŒhrt im Herbst desselben Jahres in Prag), und auch dieses Lied denkt in theatralischen Gestenânur auf ein paar Seiten komprimiert.[2]
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Auch das gesellschaftliche Umfeld ist bedeutsam. Mozart schrieb das StĂŒck im Zimmer seines Freundes Gottfried von Jacquin, als Teil jenes kultivierten Wiener Kreises, in dem Lieder fĂŒr Stimme und Tasteninstrument als intime âLiteratur in AuffĂŒhrungâ dienen konnten.[2] Weit entfernt von einer bloĂen Gelegenheitsarbeit zeigt K. 520, wie Mozart das Lied als Ort psychologischer Unmittelbarkeit begreiftâeine Haltung, die in Miniatur bereits die spĂ€tere Kunstliedtradition des 19. Jahrhunderts vorwegnimmt.
Text und Komposition
Der Text stammt von Gabriele von Baumberg, einer österreichischen Dichterin, deren Verse Mozart eine ungewöhnlich direkte emotionale Rhetorik boten: Luise verbrennt die Briefe eines untreuen Liebhabers, und das Gedicht schwankt zwischen verletzter Selbstwahrnehmung und plötzlichen ZornesausbrĂŒchen.[1][2] Mozarts Autograph (aus der ErschlieĂung im Zuge eines Verkaufs bekannt) bewahrt sogar praktische Details des Kompositionsaktsâden Wiener Entstehungsort und kleine Revisionenâund erinnert daran, wie sehr dieser dramatische Monolog ânah am Schreibtischâ bleibt.[3]
Besetzung und Gattung entsprechen dem Wiener LiedtypusâSolostimme mit Klavierâdoch nicht dessen Ausdrucksspektrum. In den Quellen wird das StĂŒck hĂ€ufig als fĂŒr Sopran geeignet beschrieben, wenngleich es in Editionen fĂŒr unterschiedliche Stimmlagen weit verbreitet ist.[2] Moderne Interpretinnen und Interpreten sowie Hörende können gemeinfreie Notenausgaben online einsehen, die zudem die knappe, durchkomponierte Dringlichkeit des Werks unterstreichenâund nicht strophischen Komfort.[4]
Musikalischer Charakter
Alles an K. 520 spricht dafĂŒr, das Lied als Szene und nicht bloĂ als Lied zu verstehen. Die Wahl von c-Mollâeiner Tonart, die Mozart oft gesteigerter Ernsthaftigkeit vorbehĂ€ltâverdunkelt die Klangwelt sofort, und die Klavierstimme agiert weniger als Begleitung denn als psychologischer ErzĂ€hler.[2] In der AuffĂŒhrung wirken die unruhige Figuration und die nachdrĂŒckliche Zeichensetzung des Tastenparts wie das âFeuerâ unter Luises Worten: weniger wörtliche Flammenmalerei als vielmehr Unruhe, in Rhythmus und Harmonik ĂŒbersetzt.
Die Gesangslinie steigert dieses Drama durch schroffe Kontraste: Deklamatorischer Impuls weicht Momenten, die fast wie nach innen gesprochene Rede klingen, um dann in einen öffentlicheren, vehementen Ton zurĂŒckzukehren. Statt eines eingĂ€ngigen Refrains hĂ€lt Mozart die Hörenden im PrĂ€sens der Handlungâjede Phrase wirkt wie ein neuer Gedanke, ein frischer Schub an Empörung oder Schmerz. Genau deshalb verdient das StĂŒck heute Aufmerksamkeit: Es zeigt, wie Mozart im Wien des Jahres 1787 opernhafte Wahrhaftigkeit in das Format eines hĂ€uslichen Liedes pressen konnte.
Neben dem bekannteren Das Veilchen (K. 476) zeigt K. 520 eine andere Mozartâsche LiedĂ€sthetik: weniger pastoral oder erzĂ€hlend, dafĂŒr unmittelbarer und psychologisch kantiger.[1] Kurz: ein kleines Werk mit groĂem dramatischem Schattenâeine Glut aus dem Don Giovanni-Jahr, die noch immer heiĂ ist bei BerĂŒhrung.
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[1] Mozarteum (Köchel-Verzeichnis) work entry for K. 520: dating (Vienna, 26 May 1787), genre and text author.
[2] Wikipedia overview of the song (K. 520): context (Jacquin, LandstraĂe), scoring, and basic description.
[3] Christieâs lot description of Mozartâs autograph manuscript for K. 520, including the Vienna/Jacquin-room note and revisions.
[4] IMSLP page for K. 520 with public-domain scores and publication/edition information.








