Allegro für Streichquintett in Es-Dur (Fragment), K. 613b
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Allegro für Streichquintett in Es-Dur (K. 613b) ist ein kurzes, erhaltenes Bruchstück eines geplanten Viola-Quintetts (2 Violinen, 2 Bratschen, Violoncello), wahrscheinlich in Wien entstanden, als der Komponist etwa 30 Jahre alt war. Was überliefert ist, ist zu knapp, um als vollständiger Satz zu gelten; dennoch eröffnet es einen Einblick in Mozarts kammermusikalisches Denken in einer Phase, in der sein Wiener Stil besonders dialogisch und harmonisch wendig war.
Was bekannt ist
Das Werk ist als unvollendeter, authentischer „Quintettsatz“ in Es-Dur für 2 Violinen, 2 Bratschen und Violoncello überliefert – jene für Wien so typische Streicherquintett-Besetzung Mozarts. Der Katalog der Internationalen Stiftung Mozarteum verzeichnet es als Fragment (K. 613b); das erhaltene Material wird als Partitur beschrieben und mit einer kurzen Autographenquelle in Verbindung gebracht. Der Eintrag ordnet es zudem in Mozarts spätes Wiener Interesse am Streichquintett als Gattung ein.[1]
Die Datierung ist in modernen Nachschlagewerken nicht ganz eindeutig: Der Mozarteum-Katalog verbindet das Fragment mit Wien und setzt es in die Mitte der 1780er Jahre (wobei ältere Katalog-Querverweise auf 1786 weisen), während die Werkseite bei IMSLP – entsprechend ihren eigenen zusammengetragenen Metadaten – ein späteres Datum nennt. Praktisch gesehen ist die sicherste Aussage, dass das Fragment in Mozarts Wiener Zeit gehört und nur in einem sehr kurzen Umfang erhalten ist, ohne gesicherte Hinweise auf eine vollendete Fortsetzung oder eine gängige aufführungspraktische Ausgabe.[1][2]
Musikalischer Gehalt
Erhalten ist nur ein einleitendes Allegro-Fragment, offenbar als Beginn eines klassischen ersten Satzes gedacht: Die Seite deutet einen raschen, bejahenden Anfang in Es-Dur an, wobei die Ensembleführung bereits im Sinne von Mozarts reifen Kammerwerken verteilt ist – weniger „Solostimme mit Begleitung“ als vielmehr fünfstimmige Konversation, mit natürlichem Interesse der Binnenstimmen, das den beiden Bratschen besonders entgegenkommt.[1]
Selbst in diesem unvollständigen Zustand ist die Wahl von Es-Dur aufschlussreich: In Mozarts Wiener Kammermusik lädt diese Tonart oft zu einem weiten, warmen Klang und zu einem großzügig ausgehörten mittleren Register ein – genau jener Raum, in dem die zusätzliche Bratsche die Harmonik anreichern kann. Im Kontext seines Wiener Schaffens der 1780er Jahre erscheint K. 613b am plausibelsten als Werkstattmaterial für ein Streichquintett-Projekt und nicht als in sich geschlossenes Gelegenheitsstück: ein fesselnder Anfang, abgebrochen, bevor die Musik zu einer formalen Kadenz gelangen kann.
[1] International Mozarteum Foundation (Köchel Verzeichnis): KV 613b work entry (status, key, scoring, transmission notes, NMA references)
[2] IMSLP: String Quintet in E-flat major, K.Anh.82/613b (page metadata and scan listing from Neue Mozart-Ausgabe)