4 Contredanses in F-Dur, K. 101 (K.6 250a)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts 4 Contradanses in F-Dur (K. 101, auch als K.6 250a katalogisiert) sind ein kompaktes Set orchestraler GesellschaftstĂ€nze, 1776 in Salzburg komponiert, als er 20 Jahre alt war. Von ihrer Anlage her kurz und funktional, zeigen sie dennoch das Talent des jungen Komponisten fĂŒr klare Phrasenbildung, leuchtende BlĂ€serfarben und jene rhythmische âHebungâ, die eine Tanzmelodie weit ĂŒber den Ballsaal hinaus tragfĂ€hig macht.
Hintergrund und Kontext
1776 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) fest im Salzburger Musikleben verankert: im Dienst des FĂŒrsterzbischofs angestellt und als Auftragskomponist in einer ungewöhnlich groĂen Bandbreite von Gattungen tĂ€tig. Neben Kirchenmusik und gelegentlichen Serenaden bildete Tanzmusik einen praktischen, oft unterschĂ€tzten Bestandteil dieses Ăkosystems: kurze, wiederholbare StĂŒcke, gedacht fĂŒr gesellschaftliche Bewegung, nicht fĂŒr kontemplatives Konzert-Hören.
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Die Contradance (auch Contredanse)âein lebhafter, im geraden Takt stehender Modetanz europĂ€ischer PrĂ€gungâgehörte zu den mobilsten Gattungen des spĂ€ten 18. Jahrhunderts und kursierte gleichermaĂen in höfischen wie bĂŒrgerlichen Kreisen. Mozart wurde spĂ€ter in Wien ein ausgesprochen produktiver Lieferant von TĂ€nzen fĂŒr die FaschingsbĂ€lle; doch K. 101 zeigt, dass er das Handwerk bereits in Salzburg sicher beherrschte: Melodien zu schreiben, die sofort einleuchten, sich auf der TanzflĂ€che leicht koordinieren lassen und an der orchestralen OberflĂ€che angenehm abwechslungsreich sind.[1]
Gerade diese Mischung aus ZweckmĂ€Ăigkeit und Feinarbeit macht das Set heute hörenswert. Es sind keine âMini-Sinfonienâ, und sie geben sich auch nicht als solche aus. Und doch gelingt Mozart in wenigen Dutzend Takten eine klare Kadenzgliederung, ein attraktives Wechselspiel von BlĂ€sern und Streichern sowie ein leicht theatralisches TimingâFĂ€higkeiten, die direkt in seine gröĂeren Salzburger Instrumentalwerke der mittleren 1770er Jahre hineinwirken.
Komposition und UrauffĂŒhrung
Die vier TĂ€nze werden auf 1776 datiert und mit Salzburg in Verbindung gebracht.[1] Die genauen UmstĂ€nde des Auftrags sowie Details der ersten AuffĂŒhrung sind nicht so verlĂ€sslich dokumentiert wie bei Mozarts groĂen BĂŒhnen- und Konzertwerken; sie gehören zur normalen âAnlassmusikâ einer höfischen StadtâfĂŒr den gesellschaftlichen Gebrauch bestimmt und flexibel an die jeweils verfĂŒgbaren Spieler anpassbar.
In der modernen KatalogĂŒberlieferung umfasst das Set vier kurze Nummern mit kontrastierenden Tonarten und Charakterenâeine innere Vielfalt, die in einer Tanzfolge die Aufmerksamkeit wachhĂ€lt.[1] In spĂ€teren Einspielungen und Titellisten wird der letzte Tanz mitunter als âGavotteâ bezeichnetâein Hinweis darauf, dass die Tanzpraxis des 18. Jahrhunderts in Benennungen und in der Ăberlappung rhythmischer Typen innerhalb der AuffĂŒhrungskultur durchaus flexibel war.[2]
Instrumentation
K. 101 ist fĂŒr ein bescheiden besetztes Salzburger Orchester bzw. eine Tanzkapelle geschrieben; die BlĂ€ser dienen vor allem der Farbe, Artikulation und VerstĂ€rkung, weniger virtuoser Schaustellung.[1]
- BlÀser: 1 Flöte, 2 Oboen, 1 Fagott
- Blech: 2 Hörner (in den Quellen mit Bögen fĂŒr F/D angegeben)
- Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass
Zwei praktische Punkte lassen sich leicht ĂŒbersehen. Erstens ist die Besetzung âvollâ genug, um in einem Saal festlich zu klingen, zugleich aber leicht genug, um aus den gemischten Ensembles zusammengestellt zu werden, die Salzburg fĂŒr abendliche Unterhaltungen aufbieten konnte. Zweitens verleiht die BlĂ€serfĂŒhrung den TĂ€nzen ein eigenes Profilâvor allem dadurch, dass Oboen die auftaktgetriebenen Akzente schĂ€rfen können und die Hörner eine nach auĂen strahlende Helligkeit beisteuern, selbst wenn die harmonische Rhythmik schlicht bleibt.
Form und musikalischer Charakter
Jede Contredanse besteht aus kurzen, symmetrischen Phrasen (typischerweise in wiederholten Teilen), die die Orientierung der TĂ€nzer stĂŒtzen: EinsĂ€tze sind klar markiert, Kadenzen kommen âplanmĂ€Ăigâ, und die rhythmischen Muster sind so gestaltet, dass sie körperlich spĂŒrbar ebenso wie hörbar sind.
Eine hilfreiche Ăbersicht des Sets, wie es hĂ€ufig gelistet wird, lautet:[1]
- I. Contredanse (F-Dur)
- II. Andantino â Allegro (G-Dur)
- III. Contredanse (D-Dur)
- IV. Contredanse (F-Dur) (in modernen Verzeichnissen oft als âGavotteâ bezeichnet)[2]
I. Contredanse (F-Dur)
Die Eröffnungsnummer stellt die gesellschaftliche Funktion des Sets sofort klar: helles Tonika-Fundament, kompakte Phrasen und eine Melodie, die bequem in den Instrumenten liegt. Was Mozarts bessere Tanzmelodien auszeichnet, ist nicht KomplexitĂ€t, sondern Profilâdas GefĂŒhl, dass jede Phrase einen Anfang, ein Ziel und ein sauberes Ausklingen hat. Selbst wenn die Harmonik weitgehend diatonisch bleibt, wird die OberflĂ€che durch eine âkonversationelleâ Instrumentation belebt: hier eine BlĂ€serfarbe, dort eine Streicherantwort.
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II. Andantino â Allegro (G-Dur)
Die Tempobezeichnung (Andantino â Allegro) deutet eine zweiteilige Binnenanlage an: ein etwas gemessenerer Beginn, der dem Ohr als âResetâ dienen kann, gefolgt von einer schnelleren FortfĂŒhrung.[1] Im Kleinen zeigt sich hier Mozarts GespĂŒr dafĂŒr, eine Unterhaltungsfolge zu disponieren. Die langsamere Einleitung ist in keiner sinfonischen Bedeutung ein DurchfĂŒhrungsteil; vielmehr bietet sie einen Kontrast der Gangartâeine elegante Möglichkeit, die Stimmung zu variieren, ohne die Form auszudehnen.
III. Contredanse (D-Dur)
Der Wechsel nach D-Dur bringt einen stĂ€rkeren Glanz (besonders mit den Hörnern) und eine andere Stufe festlicher Wirkung. In der Praxis des 18. Jahrhunderts helfen solche Tonartwechsel innerhalb eines Sets, das Ohr frisch zu halten; fĂŒr die AusfĂŒhrenden regen sie zudem VerĂ€nderungen der Instrumentalfarbe ĂŒber Bögen und Lage an.
IV. Contredanse (F-Dur) ("Gavotte")
Die RĂŒckkehr nach F-Dur gibt dem Set einen ĂŒberzeugenden Rahmen. Moderne Hinweise versehen diesen letzten Tanz bisweilen mit der Bezeichnung âGavotteâ, was möglicherweise ebenso sehr seinen rhythmischen Charakter und Phrasenzuschnitt widerspiegelt wie eine strikt choreografische IdentitĂ€t.[2] So oder so funktioniert er schlĂŒssig als Abschluss: knapp, freundlich und hell.
Rezeption und Nachwirkung
K. 101 steht auĂerhalb des âKanons im Kanonââes ist weder ein Konzert noch eine spĂ€te Sinfonie oder ein Opernfinale. Und doch spiegeln diese TĂ€nze eine zentrale Wahrheit von Mozarts Laufbahn: Er war ein professioneller Komponist, der Musik fĂŒr den Alltag lieferte, und er lernte, kleine Formen mit Klarheit und Charme zum Sprechen zu bringen.
FĂŒr heutige Hörer bietet das Set mehrere Reize. Es gibt einen Einblick in die Salzburger Unterhaltungskultur der mittleren 1770er Jahre; es zeigt Mozarts geschickten Umgang mit BlĂ€ser- und Streicherklang auf kleiner Ebene; und es erinnert daran, dass orchestrales Schreiben im 18. Jahrhundert nicht auf den Konzertsaal beschrĂ€nkt war. In heutiger AuffĂŒhrungâob als Zugabe, als Teil eines Tanzmusikprogramms oder als verbindendes Element eines Salzburg-Themenabendsâkann K. 101 die Freude an Mozarts âfunktionalerâ Musik neu behaupten: Kunst, die ihre Aufgabe wunderschön erfĂŒllt, ohne auf GröĂe zu pochen.[1]
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1 IMSLP-Werkseite zu Mozart, 4 Country Dances (4 Contradanses), K. 101/250a: Satzliste, Kompositionsjahr und Instrumentation. https://imslp.org/wiki/4_Country_Dances%2C_K.101/250a_%28Mozart%2C_Wolfgang_Amadeus%29 2 Amazon-Music-Titelliste mit Verweis auf âFour Contredanses, K.101: No. 4 in F (Gavotte)â (Beleg fĂŒr moderne Benennung/Praxis). https://music.amazon.com/tracks/B003LXSHL2











