14 Intervallkanons in F-Dur (K. 508a)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts 14 Intervallkanons (K. 508a) sind knappe a cappella-Kanons in F-Dur, die 1786 in Wien zusammengestellt wurden, als der Komponist 30 Jahre alt war. Neben den Opern und Konzerten desselben Jahres lassen sie sich leicht übersehen; doch diese „Intervallkanons“ geben einen aufschlussreichen Einblick in Mozarts Freude an strengem Kontrapunkt, der zu geselliger Hausmusik wird.
Hintergrund und Kontext
Wien im Jahr 1786 nimmt man oft vor allem über die öffentlichen Triumphe wahr: Le nozze di Figaro auf der Bühne, Klavierkonzerte im Saal, Kammermusik für Kenner. Mozart pflegte jedoch zugleich ein intimeres Musikleben – Musik für Freunde, Schüler und gesellige Zusammenkünfte. Seine Kanons gehören in diesen Bereich: geschrieben für kleine Gruppen, die den Reiz des „Rätsels“ liebten, wie aus einer einzigen Zeile ein vollständiger polyphoner Satz entstehen kann.
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Der Köchel-Katalog (in seiner modernen Zählung) führt K. 508a als Gruppe von Kanons in F-Dur für „2 Stimmen in 1“ (also einen zweistimmigen Kanon, der aus einer notierten Stimme abgeleitet ist) und datiert sie auf die Zeit nach dem 3. Juni 1786 in Wien [1]. In der Neuen Mozart-Ausgabe (NMA) werden diese Intervallkanons als eigenständiger Komplex innerhalb des Kanon-Repertoires behandelt, neben anderen kanonischen Experimenten und verwandten Quellen aus derselben Zeit [2].
Text und Komposition
Es sind „Intervallkanons“ im praktischen Sinn: Jedes Miniaturstück ist durch das Intervall definiert, in dem die Folge-Stimme einsetzt (etwa in der Septime nach unten). Das Intervall selbst wird damit zur kompositorischen Vorgabe und zugleich zum Orientierungspunkt für die Hörenden. Die Kanons sind nicht als dramatische Nummern mit erzählendem Text gedacht; vielmehr funktionieren sie als kontrapunktische Studien, die als vocalise gesungen oder mit ad hoc gewählten Silben versehen werden können. Ein moderner, auf der NMA beruhender Editionshinweis vermerkt ausdrücklich, dass die Kanons keinen unterlegten Text haben (keine Textunterlegung) und durchgängig in F-Dur notiert sind – wodurch die Anlage in einem bequemen, „normalen“ Stimmumfang für Laien bleibt [3].
Was die Überlieferung betrifft, ist K. 508a gut erschlossen und in Sammelausgaben sowie Bibliotheken weit verbreitet; IMSLP führt das Werk etwa als „Canons for 2 or 3 Voices, K.508a“, was der allgemeinen Archivlage entspricht, dass Mozarts kanonische Stücke häufig in Gruppen überliefert sind und nicht als eigenständige, „opusartige“ Publikationen [4].
Musikalischer Charakter
Das Charakteristische an K. 508a ist nicht ein melodischer „Hit-Faktor“, sondern die Eleganz, mit der Mozart die Beschränkung natürlich klingen lässt. Jeder Kanon ist eine kleine Lektion in Stimmführung: Die führende Stimme muss für sich genommen singbar und schlüssig sein und zugleich eine klare Harmonik ergeben, wenn sie in festgelegtem Abstand und zu einem bestimmten Zeitpunkt imitiert wird. Das ist Kontrapunkt als Gespräch – kurz, pointiert und oft von witziger Implikation, selbst ohne Worte.
Er wählt F-Dur, eine Tonart, die in seinen Instrumentalwerken mit Wärme und Klarheit verbunden ist und (wie Herausgeber bemerkt haben) zudem hilft, den Ambitus für gewöhnliche Stimmen im Rahmen zu halten [3]. So entsteht Musik, die zwei Arten von Aufmerksamkeit belohnt:
- als praktisches Aufführungsspiel (Sänger erleben, wie strenge Imitation „einrastet“), und
- als Fenster in Mozarts Handwerk, parallel zu den berühmteren, großformatigen Wiener Werken von 1786.
Insgesamt verdienen die Intervallkanons gerade deshalb Beachtung, weil sie an der Schnittstelle von Studie und Vergnügen stehen. Sie erinnern daran, dass Mozarts Beherrschung gelehrter Technik nicht nur großen Finali und kirchlichem Kontrapunkt vorbehalten war; sie konnte auch die kleinsten Formen beleben – gedacht für Freunde, für Zimmer und für die reine Befriedigung, Stimmen passend zueinander zu fügen.
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[1] Wikipedia — Köchel catalogue entry noting K. 508a (14 canons in F for 2 voices in 1), dated after 3 June 1786, Vienna.
[2] Digitale Mozart-Edition (Mozarteum) — New Mozart Edition (NMA) Series III/10: Canons, English introduction (context and source discussion for interval canons).
[3] Stretta Music — editorial note (based on NMA) stating the 14 interval canons have no text underlay and are notated in F major to keep within a normal vocal range.
[4] IMSLP — “Canons for 2 or 3 Voices, K.508a” page (work identification and access to scores).






